PRESSE und Zuschriften

2015/2016

SIGNALBERG GmbH









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Berliner Illustrirte Zeitung, 31. Juli 2016    
von Jan Draeger

Eine Liebe in Friedenau

Im Leben lauern ja bekanntermaßen Irrungen und Wirrungen. Doch bei Evelyn Weissberg und Hermann Ebling hat sich auf merkwürdige Weise alles gefügt – Friedenau, die Bücher und überhaupt das mit ihnen als Paar. Es ist ein kleines Jubiläum, das sie gerade feiern können. Vor 40 Jahren sind sie aus der Pfalz nach Berlin gezogen. Die passende Wohnung, zwei kleine Zimmer, fanden sie nicht in Wedding, Kreuzberg oder Neukölln, dort suchten sie auch, sondern in Friedenau. Zufall. Aber auch ein Glücksfall. Zehn Jahre später brachten die beiden ihr erstes Buch über Friedenau heraus, elf weitere sind bis heute gefolgt. Ihr Leben verband sich mit dem kleinen Ortsteil im Süden Berlins, mit seiner Geschichte, seinen Menschen. So ist ihre Geschichte auch zu einem Stück – das altertümliche Wort macht hier durchaus Sinn – Heimatkunde geworden.


Foto: Amin Akhtar

Hermann Ebling ist ein kräftiger Mann, augenscheinlich der Typ Anpacker. Er ist ein begeisterter Vermittler, die Worte sprudeln aus ihm heraus, er redet gern und viel. Evelyn Weissberg, eher der bedächtige Part, schiebt dann manchmal ihren Zeigefinger nach vorne, wenn sie seinen Fluss unterbrechen will. In Friedenau sagen viele – und es sind wirklich viele, die sie dort kennen – sie hätten selten ein Paar getroffen, das derart an einem Strang zieht.
Also muss es doch erlaubt sein, eine der großen Fragen der Menschheit zu stellen: Was ist Liebe?
Er: „Liebe ist etwas, das sich entwickelt, über Jahrzehnte. Vielleicht ist es auch, im günstigsten Fall: die Perspektive, die gleichen Interessen.“
Sie: „Die Kreativität.“
Er: „Das hat sich bei uns ausgezahlt. Nicht in Währung, sondern in Beschäftigung. 
Wir sind seit 42 Jahren ein Paar, das zusammenhält.“
In Kaiserslautern, wo er geboren und sie im Alter von zwei Jahren aus Zürich hingezogen ist, kamen sie über eine Jugendclique zusammen. Ihre Eltern waren geschieden, beide wuchsen bei den Großeltern auf. 
„Das war vielleicht auch ein Grund, dass wir uns so gefunden haben“, sagt er.
Sie lernte an einer Fachhochschule Design und Visuelle Kommunikation, er machte eine Handwerkerlehre. Und doch stockte das Leben beider in der pfälzischen Kleinstadt etwas. Sie waren beide 19, als er 1975 den Vorschlag machte, es doch mal in Berlin zu versuchen. Mit einer befreundeten Musikergruppe, die im „Go-In“ in Charlottenburg einen Auftritt hatte, fuhren sie hin. Anderthalb Tage waren für den Trip veranschlagt worden. Sie wohnten bei Freunden am Innsbrucker Platz. Viel sahen sie nicht in der kurzen Zeit. Einmal liefen sie die Hauptstraße runter, blieben am Breslauer Platz stehen. „Ich erinnere mich noch sehr eindringlich an den großen Turm vom Rathaus Friedenau“, erzählt sie. Vielleicht war es ja ein Zeichen.

Sie bewarben sich für mehrere Wohnungen. Schon als sie es fast aufgegeben hatten, kam in Kaiserslautern der erlösende Anruf, dass es in der Handjerystraße in Friedenau klappen sollte. Für 86 Mark Miete.
„Das hat sich auf mystische Art und Weise ergeben“, sagt er. „Friedenau wollte uns“, sagt sie.
Damals hatte Friedenau noch nicht den Ruf eines Dichterviertels. Auch wenn sie dort gewohnt hatten wie Uwe Johnson oder noch wohnten wie Günter Grass in der Niedstraße. Oder Max Frisch in der Sarrazinstraße. Oder Hans Magnus Enzensberger in der Fregestraße. „Uwe Johnson hat eine ganze Gruppe von Schriftstellern nachgezogen. Es gibt ja den Spruch, dass er neben der Schriftstellerei auch als Immobilienmakler sehr große Erfolge feiern konnte“, erzählt Ebling.
Seine Frau und er waren zu dieser Zeit allerdings noch kaum mit deren Literatur in Berührung gekommen. Ihnen fiel nur auf den Friedenauer Straßen „ein Mann auf, mit Baskenmütze und Riesenschnurrbart, der etwas gebeugt ging“. Erst später erfuhren sie, dass es der Schriftsteller Edgar Hilsenrath war. Sie selbst lasen aber George Orwell, Carlos Castaneda und Hermann Hesse. Und kümmerten sich überhaupt erstmal um ihren weiteren beruflichen Werdegang. Sie nahm ihr Studium an der HdK auf und entwarf Kataloge für die Internationale Bauausstellung. Er holte auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur nach und arbeitete später als Tonmeister.

In Berlin hatte Ebling aber schon mit etwas begonnen, was später den Büchern ihres Verlages, der „edition Friedenauer Brücke“, ein Gesicht geben sollte. Er sammelte alte Fotografien. Er kaufte sie auf Flohmärkten und Börsen. Anfang der 80er-Jahre konzentrierte sich seine Leidenschaft auf Bilder aus Friedenau. 
Heute hat er tausende in seinem Archiv.
Damals, mit den Bildern, muss es auch angefangen haben, dass sie die Besonderheiten ihres Wohnortes entdeckten. Der Holsteiner Johann Anton Wilhelm von Carstenn hatte das Gebiet Mitte des 19. Jahrhunderts erworben und wollte dort eine Villenkolonie errichten. Als ihm das Geld ausging und er verkaufen musste, entstanden in der Kaiserzeit auch mehrstöckige Mietshäuser mit allerdings großzügigen Wohnungen. Vieles hat sich bis heute erhalten, die Villen, die Mietshäuser mit Vorgärten, auf viele Besucher und Zugezogene wirkt Friedenau wie eine Oase inmitten des hektischen Großstadttrubels.
„Es ist nicht so großspurig, hat eher etwas Zurückgezogenes“, formuliert es Hermann Ebling. „Die Gründerväter und -mütter haben Friedenau mit einem ganz speziellen Anspruch gegründet: Dass es hier schön ist, lebenswert, dass es Plätze gibt, an denen man sich gerne aufhält. Dieser Geist ist bis heute da“, sagt sie.
Anfang der achtziger Jahre waren sie in die Stubenrauchstraße gezogen, sie brauchten eine größere Wohnung, das erste Kind, Jonas, war zur Welt gekommen, zwei weitere, Simon und Sonja, sollten später folgen.

In dieser Zeit entstand auch die Idee, ein erstes Buch herauszubringen. Ebling hatte mittlerweile eine solche Fülle an Bildmaterial von den Friedenauer Anfangsjahren, dass es sich anbot. Nur Geld war nicht genug da. Ebling, der ja Tonmeister beim Film war, erzählte seinem Assistenten dort von dem Projekt und der wusste, wer helfen konnte. Der Assistent war nämlich der Sohn von Günter Grass, Raoul, und er fragte seinen Vater. Und tatsächlich, Grass gab Geld dazu. 1986 erschien „Friedenau – Aus dem Leben einer Landgemeinde“ mit historischen Aufnahmen, das Erstlingswerk ist mittlerweile vergriffen. Die Texte verfasste Ebling mit Hilfe einer Lektorin, den Band selbst, das Layout, entwarf seine Frau.
Es sollte allerdings 20 Jahre dauern bis sie sich an neue Bücher wagten, diesmal allerdings ohne Finanziers. 2006 brachten sie eines über den „Künstlerfriedhof“ in Friedenau heraus, auf dem unter anderen Marlene Dietrich und Helmut Newton begraben sind. Ein Jahr später entstand die Reihe „Friedenau erzählt“. Prominente und auch weniger bekannte Zeitzeugen schildern dort, wie sie Kaiserzeit und Weimarer Republik erlebten. Auch ein „Lesebuch“ über die Nazizeit ist so entstanden, unter anderem mit textlichen Fundstücken von Hildegard Knef und Friedrich Luft über Friedenau.

Die Reihe „Friedenau erzählt“ will das Verlegerpaar gern bis in die heutige Zeit fortsetzen und sucht auch über Facebook nach Zeitzeugen, die ihnen Erlebnisse aus den fünfziger, sechziger Jahre bis zur Nachwendezeit erzählen können.
Mittlerweile ist der kleine Verlag zu einem Familienunternehmen angewachsen. Der älteste Sohn Jonas hat Übersetzer gelernt und ist damit für den Vater auch zum geeigneten Lektor geworden. Die Tochter Sonja studiert Vergleichende  Literaturwissenschaften und bringt sich auch bereits ein. „Vielleicht wird der Verlag einmal in den Kindern fortleben“ wünscht sich Herrmann Ebling.
Seine Arbeit beim Film hat er aufgegeben, er kümmert sich nun ausschließlich um die Buchproduktion. Die Auflage liegt bei jedem Band etwa im vierstelligen Bereich, genauer will er sich dazu nicht äußern. Viele sind auch Longseller, die sich über einen längeren Zeitraum verkaufen. Im Souterrain des Hauses in der Rembrandtstraße, wo sie nun seit 20 Jahren wohnen, stapeln sich noch Bücher bis an die Decke. Einen „Megaseller“ konnten sie sogar mit dem Fotoband „Berlin um 1950“ verzeichnen. Der Fotograf, der heute 90-jährige Ernst Hahn, lebt inzwischen in einem Seniorenheim in Friedenau. Als junger Mann hatte er fünf Jahre nach Kriegsende die Stadt aus ungewöhnlichen Perpektiven fotografiert. „Er ist Potsdamer. 1950 ist er deshalb in Berlin an Orte gegangen, die andere gar nicht fotografiert hätten. Es ist ein untypischer Berlin-Blick.“

Demnächst soll ein Buch über den Künstler Ernst Volland erscheinen. Er wohnt zwar in Steglitz, aber das sieht man nicht so eng, man kennt sich, Volland kaufe am Sonnabend gern auf dem Wochenmarkt am Breslauer Platz ein. Auch ein Buch über Rosa Luxemburg, neben den beiden Nobelpreisträgern Günter Grass und Herta Müller auch eine bekannte Bewohnerin Friedenaus, ist in Planung. Sie lebte in der Cranachstraße 58. Jedes Jahr zu ihrem Todestag am 15. Januar versammelt sich eine Schar vor ihrem Haus zum Gedenken. „Und jedes Jahr werden es weniger“, hat Ebling beobachtet.
„Wir werden die Sicht auf Friedenau nicht verändern, aber wir werden sie bereichern. Wir sind Archäologen, wir graben aus“, sagt er. „Das Konzept des Verlages ist, dass er kein Konzept hat. Wir machen das, was wir entdecken, bringen heraus, was wir würdig finden, dass es veröffentlicht wird“, sagt sie.
Evelyn Weissberg und Hermann Ebling, das ist die Geschichte zweier Menschen, die in Friedenau eine Heimat gefunden haben und dieses Gefühl von Verbundenheit nun denen, die dort leben, weitergeben. Eigentlich ein guter Gedanke in unserer heutigen Zeit.


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LESART | Beitrag vom 23.07.2016

Christian H. Freitag: "Ritter, Reichsmarschall & Revoluzzer"
Blick durchs Schlüsselloch
Von Helmut Böttiger
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Eingang zum S- Bahnhof Friedenau (picture alliance / dpa / Manfred Krause)

In der Fregestraße 19 in Berlin-Friedenau steht ein Haus, dass die große deutsche Geschichte in Miniaturform abbildet: Ritter Epenstein von Mauternberg lässt die Familie Heinrich Görings in der Fregestraße wohnen. Später, in den 60er-Jahren kauft Revoluzzer Hans Magnus Enzensberger das Haus.
Dies ist ein opulent, mit vielen Fotografien, Dokumenten und einem großzügigen Layout aufgemachtes Bändchen in einem bibliophilen Berliner Kleinverlag, der einen Stadtteil programmatisch in seinem Namen führt – aber es ist keineswegs kleinstädtisch und provinziell.
Die legendäre französische "Annales"-Schule, die sich der Alltagsgeschichte verschrieben hat und die Zeitläufte nicht aus der Perspektive der Throne und Kabinette verfolgt, kann sich hier noch einmal bestätigt fühlen. Es ist faszinierend, was sich einer kleinen Stadtvilla alles ablesen lässt.


Die Villa war ein Nachzügler
Berlin-Friedenau ist heute ein ruhiger, gehobener Stadtteil mitten in der Stadt und gehört zu Schöneberg, das spätestens seit David Bowie als Trendbezirk gilt. Dabei existierte Friedenau bis zur Reichsgründung 1871 gar nicht, es war eine leere Grünfläche. Der Name "Friedenau" rührt denn auch vom "ruhmreichen Frieden" nach dem deutsch-französischen Krieg 1871 her, nach dem in der Hauptstadt eine erhebliche Bauspekulation einsetzte. 1886 wurde als Nachzügler eine der letzten alleinstehenden Villen mit drei Etagen in der Fregestraße 19 fertiggebaut, bevor größere Mietshäuser auch in Friedenau das Feld beherrschten.
Der Ritter Epenstein von Mauternberg, der vor allem auf der Burg Mauterndorf bei Salzburg sowie der Burg Veldenstein bei Nürnberg residiert, lässt die Familie des Reichskommissars Dr. Heinrich Göring in der Fregestraße wohnen, die vor dem gesellschaftlichen Abstieg steht. Der Ritter tritt nicht selbst als Eigentümer in Erscheinung, das gesellschaftliche Ansehen der Görings wird dadurch aufgewertet. Und das hat seinen Grund: Ritter Epenstein ist der Vater eines der Kinder von Fanny Göring, der Ehefrau des etwas abgehalfterten Diplomaten, und hält sie sich noch lange als Geliebte. Es handelt sich also um eine eigentümliche wilhelminische Ménage à trois. Historisch interessant wird das dadurch, dass auch Hermann Göring, der spätere NS-Reichsminister und Mitglied der obersten Führungsriege der Nazis, – wohl ein "legitimer" – Sohn jener Fanny ist und hier aufwächst.


Göring und Enzensberger auf engstem Raum
Doch nicht nur der spätere hohe NS-Funktionär Göring erlebte in der Fregestraße 19 seine Kindheit. Einige Jahrzehnte später kaufte der 68-er Revoluzzer Hans Magnus Enzensberger das Haus und verbrachte hier ebenfalls prägende Jahre, von 1965 bis 1979. Der Autor Christian H. Freitag, der eine Zeitlang bei Enzensberger Untermieter war, beschreibt aus erster Hand, wie das Haus in der Fregestraße Anlaufpunkt für die 68er wurde, wie hier Diskussionsrunden und Strategiesitzungen stattfanden und wie Enzensberger es schaffte, trotzdem drüberzustehen und sich nicht von einem der wechselnden revolutionären Stroßtrupps vereinnahmen zu lassen.
Das ist amüsant, spannend und lehrreich – ein Blick durchs Schlüsselloch auf die große deutsche Geschichte. Göring und Enzensberger auf engstem Raum! Und dass das Haus heute um ein Vielfaches mehr wert ist als damals, als Enzensberger es als eher entlegene Westberliner Immobilie verkaufte, dürfte ihn als Finanz-Filou wohl doch ein bisschen schmerzen.


Christian H. Freitag: Ritter, Reichsmarschall & Revoluzzer
Aus der Geschichte eines Berliner Landhauses
Mit einem Vorwort von Hans Magnus Enzensberger
edition Friedenauer Brücke, Berlin 2015
88 Seiten, 24 Euro

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Neues Friedenau-Buch: Ritter, Reichsmarschall & Revoluzzer

Ritter, Reichsmarschall & Revoluzzer
Villa der Geschichten
11.12.2015          Von Christoph Stollowsky

Ein altes Landhaus in Berlin-Friedenau. Ein Ort voller Geschichten und höchst gegensätzlicher Bewohner. Der junge Hermann Göring, die Kommune I, Hans Magnus Enzensberger, ein Ritter – alle lebten in der Fregestraße 19.
Hat viel erlebt. Das Landhaus an der Friedenauer Fregestraße 19 mit seinem typischen Vorgarten. Es ist ein architektonisches Relikt aus den Gründungsjahren des Schöneberger... - FOTO: KITTY KLEIST-HEINRICH

In Afrika ein Kolonialheld, in Friedenau ein Pantoffelheld – was für eine Schlappe für den Kaiserlichen Reichskommissar und Konsul Dr. Heinrich Göring. Kaum hatte er seine langjährigen Auslandsmissionen in Deutsch-Südwestafrika, Haiti und Ägypten beendet, war gerade mit seiner 21 Jahre jüngeren Gattin Franziska und vier Kindern, darunter dem späteren NS-Reichsmarschall Hermann Göring, nach Berlin zurückgekehrt, da musste er sich mit einem Nebenbuhler abfinden: Menage-à-trois in Friedenau. Es war der Auftakt zu einer ganzen Reihe ungewöhnlicher Geschichten in der gründerzeitlichen Landhausvilla Fregestraße 19 – mit höchst unterschiedlichen Bewohnern in der jeweiligen Hauptrolle und einer Vielzahl prominenter Besucher, die hier ein und aus gingen.

Der Autor ist ein früherer Bewohner - er hat alles detektivisch recherchiert

Der junge Hermann Göring und Revoluzzer der Kommune I, Bohemien Ritter von Epenstein und der streitbare Literat und „Kursbuch“-Herausgeber Hans Magnus Enzensberger – sie alle hatten zwischen der späten Kaiserzeit und den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik die Adresse: Fregestraße 19. 
Bis heute ist das Viertel am S-Bahnhof Friedenau eine gutbürgerliche Gegend. 
Der 65-jährige Christian H. Freitag, gleichfalls ein früherer Bewohner des Hauses, hat die Galerie der Besitzer und Mieter detektivisch recherchiert. Er lebte dort sechs Jahre zur Untermiete bei Enzensberger. Alles, was er herausfand, erzählt er nun spannend und höchst unterhaltsam im liebevoll gestalteten Buch der Edition Friedenauer Brücke: „Ritter, Reichsmarschall & Revoluzzer“.


Eine bessere Vorlage als die Fregestraße 19 lässt sich kaum denken für jene Losung, die dem Buch auf Seite 1 die Richtung weist: „Die Geschichte eines Hauses ist die Geschichte seiner Bewohner, die Geschichte seiner Bewohner ist die Geschichte der Zeit, in welcher sie lebten und leben.“ H.M. Enzensberger bringt das gleich auf der nächsten Seite in einem Vorwort so auf den Punkt: „Vielleicht stellt die Mikrohistorie ... manchmal sogar die großen Erzählungen in den Schatten.“
Heute wirkt die Villa geradezu klein im Ensemble der mehrstöckigen, meist gründerzeitlichen Nachbarhäuser. Zur Straße ein Vorgärtchen, dahinter ein Obstgarten mit Apfel- und Birnbäumen. Architektonisch ist sie eine Reminiszenz an die Baugeschichte des seit 1875 als Landhaus-Siedlung entwickelten Ortes. Es war ein kurzes Idyll. Ab 1890 erobern Spekulanten Friedenau, es entstehen erste große Mietshäuser. Das charakteristische Landhaus gerät zum Auslaufmodell. 


Panorama von Friedenau um 1900. Ganz rechts ist der Giebel des Hauses Fregestraße 19 im Anschnitt zu sehen. - REPRO: EDITION FRIEDENAUER BRÜCKE/TSP

Die 1886 errichtete Fregestraße 19 gehört anfangs dem Immobilienentwickler Rudolf Roesner, der in Friedenau eine Parzelle nach der anderen bebauen lässt. 1896 zieht Dr. Heinrich Göring mitsamt Familie ein. Aus gesundheitlichen Gründen im Vorruhestand, muss er mit einer erschreckend geringen Pension auskommen. Da kommt der charismatische Berliner Lebemann und langjährige Freund der Familie, Hermann Ritter von Epenstein, gerade recht. Mit einem stattlichen geerbten Vermögen gesegnet, erwirbt er die Villa und überlässt sie Görings mietfrei, hat er doch schon einige Zeit zuvor eine Liaison mit Heinrichs junger Ehefrau Franziska begonnen.

Im Jahr 1898 in der Fregestraße 19 zu Hause: Die Kinder von Franziska Göring - Paula und Olga sowie Albert (links) und Hermann, der spätere Reichsmarschall im NS-Staat. - EDITION FRIEDENAUER BRÜCKE/Gappmayer

Zwei Jahre bleibt das Dreiergespann in Friedenau, dann erwirbt Epenstein eine Burg bei Nürnberg, zieht dorthin – und nimmt seine Franziska mitsamt der kompletten Familie mit. Damals wird gemunkelt, „Fannys“ fünftes, noch in Berlin geborenes Kind Albert ähnele verblüffend dem reichen Gönner. Später, zur NS-Zeit, wird Albert ein Gegenspieler seines mächtigen Bruders Hermann: Er verhilft Juden und Verfolgten zur Flucht.
Jahrzehnte und zwei Weltkriege vergehen, die Villa bröckelt, steht lange Zeit leer – bis ein neuer Bewohner kommt: der populäre Linksintellektuelle Hans Magnus Enzensberger. „HME“ steht seit 1965 am Tor. Enzensberger erwirbt die Villa und wohnt dort mit Frau Dagrun und Tochter Tanaquil.
Doch schon 1967 – die Ehe ist gerade geschieden und HME weilt länger in Italien – zieht die Kommune I ein, das Gegenmodell der Außerparlamentarischen Opposition (APO) zur bürgerlichen Familie. Ex-Frau Dagrun schließt sich der Kommunarden-WG an und öffnet die Pforte. Aber das geht Enzensberger zu weit, sie müssen die Villa bald räumen.


In den frühen 70ern wurde Hans Magnus Enzensberger in der Villa beim Telefonieren fotografiert, manchmal knackte es in der Leitung. CHRISTIAN H. FREITAG

Fortan wird die Fregestraße zur Denkfabrik der APO. Rudi Dutschke und andere führende West-Berliner Köpfe der 68er Studentenbewegung geben sich die Klinke in die Hand, diskutieren mit „HM“ ihre Strategien. Enzensberger moderiert, ist Mentor, ergreift aber nicht Partei. Mancher Gast zuckt erst mal zusammen angesichts der bürgerlichen Villa des geschätzten Ratgebers. Sogar die RAF-Terroristen Ulrike Meinhof und Andreas Baader wollen 1970 bei HME unterschlüpfen. Doch der erklärt ihnen, das sei keine gute Idee. Im Telefon hört Enzensberger um diese Zeit schon ein Knacken, das gewiss nicht vom knarzenden Korbsessel kommt.
„Das war es. War es das? Ja, das muss es gewesen sein“, reimt er 1978 in seinem letzten in Berlin verfassten Gedicht. Er will nach München. Vor dem Umzug stellt er seinem Mitbewohner Christian H. Freitag noch eine Referenz aus. „Er war ein ruhiger und angenehmer Mieter . . . und hat sich gut um Heizung und Garten gekümmert.“


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29. November 2015


Enzensberger, Grass, Dutschke, Baader und ein Haus in Berlin

Etwas im Gange

Von Willi Winkler

Der Prospekt wusste vom "Drang zu frischer reiner Luft", wie sie drin in der kaiserlichen Hauptstadt nicht mehr zu haben war, und versprach dem "besser situirten Berliner" das Leben im Grünen, aber gleich neben der Wannseebahn. So entstanden in den Siebziger- und Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts in dem Örtchen Friedenau zahlreiche Siedlungshäuschen und machten die Spekulanten reich.

Ein geritterter Sanitätsrat erwarb das Haus Fregestraße 19 um die Jahrhundertwende und überließ es der Familie Göring, so dass der spätere Reichsmarschall Hermann Göring seine Kindheit dort verbrachte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das Haus herunter und wurde für einen Schriftsteller erschwinglich, dem ein "Solarplexus" sagte, "dass in Deutschland etwas im Gange ist". Hans Magnus Enzensberger kehrte 1965 aus Norwegen zurück, kaufte das Haus für wenig Geld und residierte in Friedenau als Nachbar von Max Frisch, Günter Grass und Uwe Johnson.

Es muss eine gute Zeit gewesen sein: Grass trank mit Uwe Johnson und Günter Bruno Fuchs, und Lars Gustafsson staunte über Enzensbergers IBM-Schreibmaschine und das Sendungsbewusstsein der deutschen Kollegen. Zuletzt ereignete sich da sogar ein bisschen Weltgeschichte: Enzensbergers Frau zog aus und schloss sich der Kommune 1 an, die drüben in der Niedstraße in Johnsons Atelier untergekommen war. Als der Staatsschutz 1967 Ungemach für den amerikanischen Vizepräsidenten fürchtet, hebt die Polizei die dilettierenden Revolutionäre aus, was Johnson der New York Times entnehmen muss und ihn sich über die "revolutionare Aktivitaet der enzensbergerschen Sippe gegen meine Wohnung" empören lässt. Grass muss das "undichte Urchristentum" beenden; auch die Freundschaft mit Enzensberger wird aufgekündigt.

Spätestens seit diesem Vorfall wurde das Haus in der Fregestraße vom Verfassungsschutz überwacht, was den Besitzer nicht hinderte, im Wohnzimmer mit Dutschke, Rabehl und Semler über den kommenden Umsturz und eine Berliner Räterepublik zu parlieren und ekstatische Manifeste in die Welt hinauszuschicken. Zwischendurch musste er gegen die Notstandsgesetze demonstrieren und nach Kuba reisen, und angeblich kamen 1970 Baader, Meinhof und die anderen vorbei, um sich beim vermeintlichen Sympathisanten zu verstecken. (Nach einer anderen Version hatten sie Geld aus einem Banküberfall dabei.) Der Dichter zeigte den Anfängern den VW, in dem der Mann von der Überwachung hockte, und hatte fortan seine Ruhe. 
Am Ende verkaufte der Finanzexperte Enzensberger (aktueller Buchtitel: "Immer das Geld!") das Haus mit einer Traumrendite und zog sodann weiter nach München.

Christian Freitag hat dieses Haus eine Zeitlang gehütet und dafür von Enzensberger ein tolles Zeugnis erhalten. In einem opulent illustrierten Band hat der ehemalige Untermieter jetzt die Geschichte des Hauses in der Fregestraße einschließlich Göring und Kommune 1 rekonstruiert, als wär's ein richtiger Roman. Es ist aber alles wahr.

Christian H. Freitag: Ritter, Reichsmarschall & Revoluzzer. Aus der Geschichte eines Berliner Landhauses. Mit einem Vorwörtlein von Hans Magnus Enzensberger. 
Edition Friedenauer Brücke, Berlin 2015. 88 Seiten, 24 Euro.
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20.10.2015

Danuta Görnandt, kulturradio LESESTOFF 

Christian H. Freitag: "Ritter, Reichsmarschall & Revoluzzer"

Ein altes Landhaus in Berlin-Friedenau. Ein Ort voller Geschichte: Mit so verschiedenen Besitzern wie dem Ritter Epenstein von Mauternburg und dem Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger, so unterschiedlichen Bewohnern wie der Familie Göring und der Kommune I. Zudem einer Vielzahl prominenter Besucher, die im Laufe der Jahre hier ein und aus gingen.

Danuta Görnandt stellt das Buch vor:

Ein Zitat des Erzählers Wilhelm Raabe ist diesem Buch vorangestellt und das steckt den ganzen großen Bogen am besten ab ...

"Die Geschichte eines Hauses ist die Geschichte seiner Bewohner, die Geschichte seiner Bewohner ist die Geschichte der Zeit, in welcher sie lebten und leben, die Geschichte der Zeiten ist die Geschichte der Menschheit."

Prominente Bewohner
Das Haus steht in Berlin-Friedenau, in der Fregestraße 19, eine relativ ruhige Straße in der Nähe der Friedenauer Brücke, also zwischen Rheinstraße und S-Bahn. Soweit noch nicht sehr abenteuerlich. Da müssen die Bewohner erst dazu kommen. Und damit erklärt sich auch ein bisschen der Titel des Buches: Ein später zum Ritter geschlagener Herr Epenstein hat es in den 1890er Jahren gekauft und an die Familie des späteren Reichsmarschalls Hermann Göring vermietet.

Um einiges später, in den 1960er Jahren, hat ein als Immobilienmakler tätiger Schriftsteller mit Namen Uwe Johnson es an den aus Norwegen nach Berlin ziehenden Literaten Hans Magnus Enzensberger vermittelt. Der nun hatte viel Besuch, u.a. von Rudi Dutschke. Später ließ er für ganz kurze Zeit auch die Kommune 1 mal dort wohnen.

Damit hätten wir Ritter, Reichsmarschall und Revoluzzer zusammen. Der intellektuelle Literat Hans Magnus Enzensberger freilich spielt eine nicht unerhebliche Rolle in diesem Buch, aber eine mit "R" beginnende und damit in den Titel passende Bezeichnung für ihn fand sich offenbar nicht.

Spannende Geschichten
Der rote Faden in allem ist dieses Haus. Der Autor des Buches Christian H. Freitag ist in die Archive gegangen, hat sich Baupläne besorgt und angesehen, ebenso Ahnentafeln, alte Fotos. Er hat Zeugen befragt und hat auf diese Weise ein ganzes Bündel von Fakten zusammengetragen. Plötzlich schälen sich ganz verschiedene Geschichten daraus hervor: Ein Stück Stadt- und Baugeschichte von Friedenau, die Geschichte wie der Herr Epenstein zu Geld kommt und in welcher Verbindung er zur Familie Göring steht, insbesondere zur Mutter von Hermann Göring, wie er dessen Lebensweg durch einen Umzug auf eine fränkische Burg beeinflusst, wie das Haus in der Fregestraße später durch die Kriegs- und Nachkriegszeiten kommt bis es schließlich 1965 von Hans Magnus Enzensberger gekauft wird, eben durch die Hilfe von Uwe Johnson und auch Günter Grass.

Die Kapitelüberschriften heißen tatsächlich auch entsprechend: Baugeschichten, Familiengeschichten, Rittergeschichten, Jagdgeschichten, Räubergeschichten, Erbschaftsgeschichten oder eben dann Literatur- und Politikgeschichten. Und gespickt mit einigen Bauplänen, und vor allem Fotos und eingebettet in die große Geschichte liest sich das ungemein spannend!

Mit Spürsinn und Geschick
Ganz zum Schluss erfährt man nahezu nebenbei, dass auch der Autor mal als Mieter bei Enzensberger gewohnt hat. Und außerdem gibt ein Nachtrag Einblick in die Geschichte des Hauses bis heute und nebenher einige Details frei über die Vertragsverhandlung mit dem Hausverkäufer Hans Magnus Enzensberger.

Man staunt, was ein hartnäckiger Spurensucher wie der Autor alles herausfinden kann. Auch unabhängig von den in diesem Fall bekannten Namen zeigt dieses Buch, dass sich so etwas auf jeden Fall lohnt, wenn man es mit Spürsinn und Geschick anstellt. Und wenn es so sorgfältig und liebevoll begleitet wurde und gestaltet ist wie hier in der Edition Friedenauer Brücke.

Im Vorwort zum Buch bekennt übrigens Hans Magnus Enzensberger, dass das meiste auch für ihn neu war. Und er formuliert sein Lob gewohnt philosophisch: "Vielleicht stellt die Mikrohistorie, in der die Kontingenz regiert, manchmal sogar die großen Erzählungen in den Schatten."

Bewertung: 



KULTURRADIO am VORMITTAG




http://www.kulturradio.de/zum_nachhoeren/index.html          © rbb 2015
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William Hastings Burke 
schrieb uns am 30. September um 19:33:

If only these walls could talk – as the cliché goes. 
Well thanks to Christian H. Freitag’s fascinating book, they really have. 
Freitag, a former resident, takes us between the walls of Fregestraße 19, 
once the home of the Brothers Göring – not to mention writers, poets, artists, 
a playboy baron and a political movement. 
Well worth a look.

Ein herzliches Dankeschön, Mr. Burke!!!!

https://www.facebook.com/whastingsburke
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Von Gerd Koch am 21. September 2015

Dies Buch ist ein offenes Haus - ein Haus ist ein offenes Buch

Fast ganz am Schluss des Buches wird der Autor Christian Freitag (Mieter) durch 
Hans Magnus Enzensberger (Vermieter) mittels eines Briefchen vom 22. 8. 1978 vorgestellt: „…ein ruhiger und angenehmer Mieter, der seinen Verpflichtungen immer pünktlich nachgekommen ist. Außerdem hat sich Herr Freitag um die Heizung und um den Garten gekümmert und sogar kleinere Reparaturen ausgeführt.“ 

Was Enzensberger damals noch nicht wissen konnte und was der Autor Freitag vielleicht nur ahnte, weil ein alter Korbsessel wie ein Haus-Geist aus alten Zeiten und doch ganz anwesend, in dem Haus, in dem Freitag so vorzüglicher Mieter war, knirschte …also: Freitag ‚kümmerte‘ sich (auch) nach dem Auszug aus dem Haus ‚ruhig‘, ‚angenehm‘ um dieses alte Berliner Landhaus … nun – nach Jahren – mittels seines Buches 
„Ritter, Reichmarschall & Revoluzzer“. Er öffnet Fenster und Türen, schaut ins Haus, lässt aus dem Haus schauen … und hat einen Verlag gefunden, der sein Buch sehr durchsichtig, Einblicke / Ausblicke gewährend, liebevoll buch-gestaltet auf den Mark bringt: typographisch luftig, ausgezeichnete Bildwiedergabe und -anordnung, biographische Angaben zu Personen enthaltend, Lesebändchen und Hardcover ... 
Das Buch zeigt sich angenehm, ruhig – es nimmt seine Leserin / seinen Leser freundschaftlich auf.
*
Nicht nur Menschen haben ihre Biographie – auch Häuser. Biographie als geschriebene Lebensgeschichte eines Hauses, ist – wie hier lesend und betrachtend zu erfahren ist – nicht nur etwas Vergangenes, sondern ist lebende Geschichte – ist ungleichzeitig und damit zugleich einst und jetzt, ist öffentlich (agora) und häuslich (oikos). Lebensgeschichte ist nicht monolithisch, sondern interaktionistisch und nicht starr, eher brüchig. Sie trägt in sich immer noch oder auch schon Angebote, sich mit anderen, im Austausch zu verändern, um bei sich zu bleiben. Karl Marx sah etwas Ähnliches, als er ein Subjekt / eine menschliche Person als Ensemble seiner gesellschaftlichen Verhältnisse fasste. Auch ein Haus ist solch ein Akteur im Schnittpunkt vieler Einwirkungen und selber wirkend.
*
In dem hier vorliegenden Buch ist das Haus der Hauptdarsteller – vorsichtig durch den Regisseur Freitag und durch den Verlag / die Buchgestaltung geführt. 
Und weil sie zurücktreten, sind auch sie gute Akteure für diesen publizistischen Zweck einer Buchveröffentlichung: Dieses Buch ist ein Haus mit offenen Fenstern und Türen geworden. 
Die „Stiftung Buchkunst“ sollte sich das Buch gerne auch anschauen …

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Fregestraße 19: 
Ein Buch über die Berliner Villa des Schriftstellers Hans Magnus Enzensberger


Fregestraße 19 in Friedenau. Foto: Bienert

Das wusste selbst der historisch so bewanderte Hans Magnus Enzensberger nicht: 
In der Villa in Friedenau, die ihm von 1964 bis 1978 gehörte, in der die "Kommune 1" kurzzeitig hauste und sich Linksintellellektuelle wie Gaston Salvatore, Rudi Dutschke, Peter Schneider und Hans Werner Henze die Klinke in die Hand gaben, in eben jenem Haus in der Fregestraße 19 hat der Obernazi Hermann Göring vor dem Ersten Weltkrieg einen Teil seiner Jugend verbracht. Pikanterweise gehörte das Haus seinerzeit einem jüdischen Rittergutsbesitzer, mit dem die Mutter des späteren Reichsmarschalls und Reichjägermeisters ein intensives Verhältnis hatte, und zwar mit Wissen und Billigung ihres Mannes. Hermann Görings jüngster Bruder Albert, der die NS-Ideologie ablehnte, war wohl eine Frucht jener offenen deutsch-jüdischen Dreierbeziehung. Alleine dieser Einblick ins Liebesleben seiner Bewohnerschaft lohnt die Lektüre des liebevoll ausgestatteten Buches über das kleine Haus in der Fregestraße, das damit zu einer Hauptsehenswürdigkeit im - an Prominentenadressen ohnehin reichen - Friedenau aufsteigt. "Eine beliebige Adresse kann also den Blick auf ein ganzes Bündel von merkwürdigen Geschichten freigeben, wenn ein geduldiger Amateur allerhand unbedeutende Zeugen befragt und vergilbte Baupläne, Ahnentafeln, Archivkästen und alte Photos hervorkramt. Vielleicht stellt die Mikrohistorie, in der die Kontingenz regiert, manchmal sogar die großen Erzählungen in den Schatten", schreibt Hans Magnus Enzensberger in seinem Vorwort zur Geschichte seines Berliner Hauses. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Michael Bienert

14. September 2015
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Geschichte, aufgelockert durch Klatsch und Tratsch

Von Rainer Bressler am 11. August 2015

Der Autor, ein Historiker, weiss, wovon er schreibt. Er selber hat einige Zeit vor einiger Zeit in dem Haus gelebt. Er erzählt locker und anregend die Geschichte dieses Hauses in Berlin, spürt Spuren auf vom Erbauer, geht der Entwicklung dieses Stadtteils nach, kommt auch auf frühere Bewohner, bis zu der Zeit, als er dort wohnte. Verbunden mit dem Haus sind Namen wie Göring und Enzensberger, so dass auch auf die Rechnung kommt, wer Klatsch und Tratsch nicht abgeneigt ist. Eine höchst informative und unterhaltsame Lektüre. Der Band ist überdies absolut toll gestaltet, ausgesucht bebildert - ein wunderbares Buch!

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6.9.2015 
                                                               
Christian H. Freitag: Ritter, Reichsmarschall & Revoluzzer 

Aus der Geschichte eines Berliner Landhauses 
Herausgegeben von Hermann Ebling und Evelyn Weissberg 
edition Friedenauer Brücke

Eine beliebige Adresse könne den Blick auf ein ganzes Bündel von merkwürdigen Geschichten freigeben, mutmaßt Hans Magnus Enzensberger in seinem Vorwort zu diesem Buch, in dem er als ehemaliger Besitzer des Hauses Fregestraße 19 einen Blick auf längst vergangene Zeiten wirft. Aber so beliebig ist diese Adresse ja nicht, und sicherlich bietet nicht jede der noch vorhandenen alten Stadtvillen aus den Geburtsjahren von Friedenau eine derartige Fülle von Skandalen, Aufregungen und denkwürdigen Ereignissen. 

Erbaut 1886 von einem der damals sich zahlreich vor den Toren Berlins tummelnden Grundstücksspekulanten namens Roesner, der es nach Fertigstellung gewinnbringend an einen Kaufmann Ockelmann verkauft. Zehn Jahre später geht es an einen weiteren Spekulanten, den Stabsarzt a.D. Hermann Epenstein, und hier beginnt die Geschichte des kleinen Friedenauer Landhauses interessant zu werden und aus dem geruhsamen Friedenauer Alltag herauszuragen. Epenstein trat mit diesem Kauf nämlich als Gönner einer befreundeten Familie auf, die er standesgemäß unterbringen wollte – die Familie des Reichskommissars Dr. Göring, Vater des späteren „Reichsmarschalls“ Hermann Göring.

Hermann Göring verbrachte also zwei Jahre seines Lebens als Friedenauer Kind! Seine Eltern führten ein glänzendes gesellschaftliches Leben in Friedenau, das nicht ganz standesgemäß eine ménage à trois zwischen seinen Eltern und Epenstein einschloß. So etwas kommt eben in den besten Familien vor. Der Stabsarzt a.D. war jedoch auch Besitzer einer Burg im Fränkischen, und 1898 folgte die Familie Göring seiner Einladung, dort wohnen, und das Friedenauer Interregnum hatte ein Ende. Epenstein selbst ist nur noch selten im Friedenauer Domizil. 1935 verkauft seine Witwe das Haus an ein Ehepaar, das in der Hedwigstraße ein Geschäft für Tapeten, Linoleum, Läufer usw. besitzt und die Fregestraße 19 in ein Mietshaus mit mehreren abgeschlossenen Wohnungen umwandeln lässt. Die Zeit von Ritter und Reichsmarschall ist vorbei, die Revoluzzer folgen.

Ein neuer prominenter Besitzer erwächst dem Haus in dem Dichter und Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger, der 1964 einen West-Berliner Wohnsitz sucht. 
Neue, aufregende Jahre beginnen im biederen Friedenau, die APO-Zeit wirft ihre Schatten voraus. Man kann jetzt Rudi Dutschke hier treffen, Gaston Salvatore, Peter Schneider, Horst Mahler, Christian Semler - viele bekannte Namen, eine andere crème de la crème als 1897! Der zehn Jahre ältere Enzensberger wird zu einer Art Mentor für die politisch aktiven Studenten. Mit ihren Grabenkämpfen hat er nichts am Hut, bietet ihnen jedoch ein Diskussionsforum. Darüber hinaus entstehen in Friedenau einige seiner bekanntesten Werke. 1978 macht sich der umtriebige Künstler wieder vom Acker und verkauft das Haus an einen Herrn Spiller, der es heute noch besitzt und in einem Nachtrag launig über seine erste Begegnung mit der Fregestraße 19 und seinem letzten prominenten Bewohner berichtet.
Ein alter Korbsessel im Haus hatte mit seltsamem Knarzen den Autor des Buches, der selbst Bewohner der Fregestraße 19 gewesen ist, nachdem Enzensberger die Kommune 1 rausgeworfen hatte, die sich während seiner Abwesenheit dort etabliert hatte zum Erzählen aufgefordert. Er schildert ausführlich sowohl die frühen Friedenauer Jahre mit ihren Entwicklungen, hat die Baupläne des Hauses ausgegraben und erzählt Interessantes über die Familien Göring und Epenstein, die Ära Enzensberger und das Leben in unserem Bezirk während der Zeit von Nationalsozialismus und Nachkrieg.

Die edition Friedenauer Brücke hat mit diesem Buch noch eine neue Facette von Friedenau entdeckt und herausgebracht, es mit vielen Fotos aus dem späten 19. Jahrhundert und auch aus  Kommune 1-Zeiten angereichert. Ein ausführliches „Wer ist wer?“ hilft auf die Sprünge, Anmerkungen und Verweise vervollständigen den Text. Wieder ein schönes und interessantes Buch aus der edition Friedenauer Brücke.

Sigrid Wiegand
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Ich muss das Buch über die Frege 19 loben, und zwar sehr. 
Ich darf dieses, da ich es heute Nacht gelesen habe.
Es liest sich munter, es ist informativ, sorgfältig ediert und schön layoutet. 
Der Titel etwas konservativ, aber, im Kontext erklärbar. 
Gediegen also.

Gratuliere,

Ernst Volland, im August 2015
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Fregestraße 19

Auf dem Fahrrad sehe ich die Verlegerin Evelyn Weissberg vor mir von der Kundry in die Sarrazinstraße abbiegen und beeile mich, sie einzuholen. 
„Wo kommst Du denn her, beladen wie immer?“ frage ich sie.
„Ich habe gerade unser neuestes Buch ausgeliefert“, antwortet sie geschäftig, „das könnte dich auch interessieren. Es geht um eine der letzten Stadtvillen, die hier in Friedenau noch stehen, Fregestraße 19.“
Neugierig frage ich weiter und sie zeigt mir ein Ansichtsexemplar des Buches von Christian H. Freitag: „Ritter, Reichsmarschall & Revoluzzer“.
Es geht um die Eigentümer, Mieter und Bewohner dieses wunderschönen Hauses. Hans Magnus Enzensberger hat hier in den 1970er Jahren gewohnt und der Autor, an der FU promovierter Philologe, war damals sein Untermieter. Er hat die Geschichte dieses Hauses erforscht und so eine Biografie mit Bewohnerporträts geschrieben, die jetzt in einer sehr schönen, reich bebilderten Ausgabe in dem kleinen Friedenauer Verlag edition Friedenauer Brücke von Evelyn Weinberg erschienen ist.
Von Ritter Epensten von Mauternburg über die Familie  der „Reichsmarschalls“ Hermann Göring zu Hans Magnus Enzensberger un der Kommune 1 – unterschiedlicher können Menschen nicht sein, die diesem Haus ihr Gepräge gaben. 
Das Vorwort hat Enzensberger beigesteuert.
Dem Buch ist eine Weisheit von Wilhelm Raabe vorangestellt und es ist im Geiste dieses Spruches geschrieben worden: „Die Geschichte eines hauses ist die Geschichte seiner Bewohner, die Geschichte seiner Bewohner ist die Geschichte der Zeit, in welcher sie lebten und leben, die Geschichte der Zeiten ist die Geschichte der Menschheit.“
Dieser Ableitung bis zur Menschheitsgeschichte sei noch – etwas bescheidener – hinzugefügt: Das Buch ist Teil der Geschichte des Berliner Stadtteils Friedenau, seiner ursprünglichen Bebauung nach der Gründung, seiner Attraktivität und seiner Heimat für viele Schriftsteller.

Friedrich Holenauer, Berlin-Friedenau, im August 2015
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Kunst als Hingabe an das Leben

Vorwort im Katalog von Ariane Mhamood

Ein Hauch von Ölfarbe weht einem entgegen, wenn man vor dem Eingang zu Schlangenbaders Atelier in Friedenau steht – es riecht nach Malerei, nach geistiger Freiheit im Souterrain. 
Seit 1981 arbeitet der Berliner Künstler in der Niedstraße, im gleichen Haus, wo einst Karl Kautsky, Karl Schmidt-Rottluff, Uwe Johnson und vorübergehend auch die Mitglieder der Kommune 1 gelebt haben. Gleich nebenan, in dem kleinen Landhaus, das Günter Grass nach dem Mauerbau erworben hatte, wohnte und arbeitete schon ab 1896 der damals hochgeachtete Marinemaler Hans Bohrdt. Auch Kaiser Wilhelm II. gehörte zu den Liebhabern seiner Bilder und war des öfteren zu Gast im Atelier. 
In unmittelbarer Nähe lebten zudem die Schriftsteller Max Halbe und Günter Weisenborn sowie der Maler Leonard Sandrock. Erich Kästner hatte hier über viele Jahre sein Büro.
Die Niedstraße ist also eine – nicht nur für Friedenau – besondere Straße, die mit dem Leben und Wirken zahlreicher Künstler, Schriftsteller, Wissenschaftler und Politiker verbunden ist, deren Aura bis heute nachwirkt.
Schmidt-Rottluff, Expressionist und Mitbegründer der „Brücke”, hat die künstlerische Arbeit von Schlangenbader unverkennbar beeinflusst, sind doch seine farbgewaltigen, ausdrucksstarken bis schrillen Bilder auch geprägt von Maximen der Expressionisten.
Schlangenbader als Neoexpressionist oder – wie der Berliner Kunsthistoriker Volkhard Böhm meint – als expressiver Realist?  



Schlangenbader, geboren 1953 in Berlin, seiner Lieblingsstadt, die er nur vorübergehend für Ausstellungen in Hamburg, Wien, New York, Moskau, Mailand oder Miami Beach und für Studienreisen durch Europa verlässt, hat von 1976 bis 1982 an der Hoch-schule der Künste Berlin (heute UdK) studiert und war Meisterschüler bei Professor Martin Engelman. 
Sein Leben und seine Seele hat er der Kunst verschrieben und arbeitet fast täglich in seinem Friedenauer Atelier, in dem sich die (zum Teil noch nicht getrockneten) Leinwände dicht an dicht drängen und die Wände in Salonhängung mit Malerei, Grafik und Objekten angefüllt sind. 
Viele seiner Arbeiten haben dieses Atelier noch nie verlassen, und in den Grafikschränken schlummern zahlreiche weitere Schätze, denn Schlangenbader ist nicht nur Maler, sondern auch Grafiker und Zeichner und erfindet zudem phantasievolle bis bizarre Objekte und originelle Collagen mit Relikten aus seiner Biografie.  
Dennoch ist vor allem die Leinwand das Medium, das „Schlachtfeld”, auf dem der Künstler sich mit den Phänomenen und Abgründen, aber auch mit der Schönheit des Daseins mit der ihm eigenen Leidenschaftlichkeit und Bedingungslosigkeit auseinandersetzt, die ihm schon der Kunstkritiker Heinz Ohff 1980, in seiner Zeit als Punkmaler, zugeschrieben hat. Die Tradition der Neuen Wilden mit ihrer expressiv-abstrakten, farbkräftigen und heftig ausgeführten Malerei hat Schlangenbader als Punkmaler Ende der 1970er Jahre weiter ausgereizt und seine „Malwut” – im damaligen Zeitgeist – ins Extrem getrieben. 
Ohff hat seinerzeit die Frage gestellt, ob diese Verve ein Anlauf sein könnte, 
der später zu einem Sprung führen würde. Dies hat sie zweifellos, denn 
der Künstler hat in seiner mittlerweile 40jährigen Wirkungszeit nicht nur seinen eigenen Stil etabliert, er ist ihm auch kompromisslos treu geblieben. 
Thematik, Farbgebung und Symbolsprache der Bilder tragen seine unverkennbare Handschrift – eine Handschrift, die sich seit den früheren Arbeiten leicht verändert haben mag, die aber dennoch stets zwischen Extrem und Anmut changiert. Selbst in der Darstellung von Abgründen des menschlichen Daseins, denen sich der Künstler unerbittlich stellt, liegt etwas Erhabenes, Entrücktes – eine „versteckte Sensibilität”(Ohff).
Aus vielen seiner Bilder blicken Augenpaare (manchmal auch nur ein Auge oder gleich drei), wilde, verträumte, glückliche oder leidende. Köpfe sind das meistbearbeitete Motiv von Schlangenbader, für den der Kopf der Ort der Empfindungen und der Seele ist. Dort seziert er das Seelenleben des Menschen – der Kopf als Spiegel der Gedanken, der Sehnsüchte und Ängste, mit denen der Betrachter unmittelbar konfrontiert wird. Expressiv sind diese Köpfe und entrückt zugleich – ein künstlerischer Balanceakt zwischen subtiler Annäherung ans Thema und dessen farbkräftiger und formdynamischer Umsetzung. Insofern bewegen sich die Bilder Schlangenbaders in einer Art Schwebezustand: Die Aussage des Künstlers ist konkret und dennoch spürt der Betrachter angesichts des für Schlangenbader typischen Bilduniversums ein Mehr an philosophischer Komplexität, sind doch seine Arbeiten auch immer eine Auseinandersetzung mit der Menschheit und der Welt.


Schlangenbader ist ein Großstadtmaler, der gleichermaßen in der Tradition der Expressionisten wie der Neuen Wilden steht, seine Bilder sind grenzenlos und präzise zugleich wie Porträts von Karl Schmidt-Rotluff und erinnern in ihrer intensiven Farbgebung und Urbanität an Ernst Ludwig Kirchner, frühere Arbeiten zeigen u. a. Anklänge an Paul Klee. Auch scheinen Ähnlichkeiten mit dem Werk des früh verstorbenen amerikanischen Künstlers Jean-Michel Basquiat unverkennbar. 

Essentiell für Schlangenbaders Malerei ist die intensive Arbeit mit der Farbe, wobei die Verwendung von Ölfarbe zwar dominiert, aber keineswegs festgelegt ist, auch Acryl wird verwendet oder beides zugleich. Mit dem umfangreichen grafischen Werk Schlangenbaders hat sich unlängst der Berliner Kunsthistoriker Volkhard Böhm auseinandergesetzt und kommt zu dem Ergebnis, dass der Künstler sich „vor allem in der Graphik […] an keinen Stil gebunden [fühlt]”. 

Schlangenbader hat seine Kunst selbst einmal als „gemalten Rock’n’Roll” bezeichnet – eine konzeptionelle Verflechtung von Leben, Malerei und Musik, die sich in seinen gleichermaßen urbanen wie universellen Bildern widerspiegelt. Über die Jahre seiner künstlerischen Arbeit hat er eine eigene Ikonografie entwickelt, das Schlangenbader-Universum – fliegende Leiber, Herzen, Phalli, Totenköpfe, Waffen, interstellare Flugkörper, Planeten, hybride Gebilde, Berlinsymbole und vieles mehr. Diese Bildelemente ziehen sich wie ein roter Faden durch die verschiedenen Schaffensphasen. Seine Bilder entstehen im Malprozess zwar spontan und intuitiv, sie können aber auch das Ergebnis mehrmaliger Übermalung und Überarbeitung sein. Dieser Prozess kann sich manchmal über Jahre, sogar Jahrzehnte, erstrecken (die Leinwand so kostbar wie einst Pergament), alte Farbschichten verworfener Bilder schimmern wie bei Palimpsesten durch das neue Bild hindurch und werden zu dessen Bestandteil.

Schlangenbaders Leben als Künstler ist allumfassend – er ist Maler, Musiker, Dichter, Philosoph – ein Zeitgeist, der das Handeln, Denken und Fühlen seiner Zeitgenossen umkreist und aus der bizarren Schönheit und dem Irrsinn des Menschseins die Inspiration für seine Bilder bezieht. 
Ihn treiben die Neugier und der Anspruch, seine Zeit durch Kunst zu begreifen und zu kommentieren, zu immer neuen kreativen Taten. 
Als Künstler ist Schlangenbader zwar ein bedingungsloser Individualist, jedoch einer, der die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern sucht, sei es in Form von Gemeinschaftsbildern, die er seit 6 Jahren zusammen mit Larissa Nod erarbeitet, oder als (Mit)initiator von Gemeinschaftsausstellungen. Zu nennen sind hier vor allem seine langjährige aktive Mitgliedschaft im Verein Berliner Künstler (VBK), seine inzwischen bereits 20jährige Mitarbeit in der Kalendergruppe des von Helga Ntephe initiierten Grafikkalenders „12 Monate 12 Originale” und die inzwischen ebenfalls bereits seit 20 Jahren regelmäßig stattfindenden Ausstellungen in der Berliner Galerie Spandow.
Als Mitbegründer der Künstlergruppe „Schwarzmalerei” zusammen mit Theresa Beitl und Barbara Czarnojahn hat er ein leidenschaftliches Manifest für die Farbe Schwarz verfasst – „Schwarz ist nicht das Gegenteil von Weiß, sondern seine Wiedergeburt.” 
Zudem hat Schlangenbader aus der konzeptuellen Weiterentwicklung eines Akt-Zeichnens im Verein Berliner Künstler im Jahr 2010 die mehrteilige und umfassende Gemeinschaftsausstellung „AKTionale – das nackte Sein” ins Leben gerufen, der 2010 und 2014 in Zusammenarbeit mit der Kunstgießerei & Galerie Flierl viel öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wurde. Thematisch geht es in diesem Projekt um existenzielle Grenzerfahrungen, hier das Nacktsein als ein sich Ausgeliefertfühlen, Erfahrungen also, die das Leben oder die Lebensphilosophie einschneidend verändern können.
Als Initiator und Kurator hat Schlangenbader zu diesem Thema zahlreiche Positionen gesammelt und als Künstler selbst bei den Gemeinschafts-ausstellungen mitgewirkt.

Mit der Künstlergruppe „Brut Interstellar” widmet sich Schlangenbader seit 2013 dem Universum und dessen Bedeutung als Ort, an dem andere Gesetzmäßigkeiten gelten und der Mensch noch selten Gast ist, sich dort aber womöglich eines Tages niederlassen muss, wenn das Experiment Menschheit auf der Erde gescheitert ist. Das Konzept von „Brut Interstellar” basiert auf einer philosophisch freigeistigen Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Menschheit und schließt einen humorvollen Blickwinkel dabei nicht aus.

Diese Vielfalt und Vitalität seines künstlerischen Wirkens zeigt, dass Schlangenbaders Kunst nicht ohne ein tiefgreifendes Gedankenfundament existieren kann. Seine Bilder sind gemalte Philosophie, hinterfragen sie doch die Bedingungen und Perspektiven des Daseins immer wieder neu und finden eine Bildsprache für das Ringen mit dem Dasein. Ist das Universum am Ende die einzige Lösungsmöglichkeit für die von der Menschheit über Jahrtausende geschaffenen Probleme? 

Vorerst ist und bleibt Berlin die Landschaft, die Schlangenbader täglich durchstreift. Seine Malerei ist so schonungslos und direkt wie diese Stadt, seine Inspirationsquelle das menschliche Sein in einer zunehmend komplexer und unbegreifbarer werdenden Welt. Insofern pendelt auch Schlangenbaders Kunst zwischen Euphorie und Melancholie, zwischen Faszination und Resignation – all das in seinem künstlerischen Refugium im Souterrain dieses Wohnhauses in Friedenau. 

Und so ist es sicherlich kein Zufall, dass die beiden leidenschaftlichen Verleger Evelyn Weissberg und Hermann Ebling das für sie einzigartige „Schlangenbader-Universum” seit einigen Jahren umkreisen. In ihrer „edition Friedenauer Brücke” haben sie nun, gemeinsam mit dem Künstler, diesen Katalog herausgegeben, der mit mehr als 200 ausgewählten Arbeiten einen erstmaligen Einblick in dessen umfassendes Gesamtwerk bis in die jüngste Gegenwart erlaubt.

Berlin, im Februar 2016 
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LOKALJOURNAL FRIEDENAU 
APRIL 2016

MENSCHEN IM KIEZ: Peter Schlangenbader 
„Ich mache von morgens bis abends nur Kunst.“
Von Juliane Last
Bereits vor der Haustür in der Niedstraße 14 sind Schlagzeug-Töne aus dem Souterrain zu hören. Was wohl die Nachbarn dazu sagen? Sofort nach dem Klingeln öffnet Peter Schlangenbader – und steht dort im Batikpullover mit silberfarbenen Turnschuhen. Seine Ohren zieren goldene Sicherheitsnadeln, ein erstes Statement scheint gesetzt. Drinnen, in seinem Atelier wird es noch wilder – Farbe, Farbe, Farbe, wohin das Auge blickt, überall stehen die Bilder des Malers und Musikers. 300, 400, vielleicht 500 hat er bisher gemalt, genau weiß er es nicht. Dazu kommen mindestens 25.000 Zeichnungen und Skizzen, die er anfertigt, bevor er auf der Leinwand loslegt. Sein Hauptthema sind Köpfe – auch wenn mancher vielleicht das ein oder andere Mal genauer hinschauen muss, um diese zu erkennen.

Peter Schlangenbader kommt 1953 als Peter Schmidt im Sankt-Gertrauden-Krankenhaus zur Welt und wächst bei seiner Mutter in der Wiesbadener Straße, Ecke Binger/Schlangenbader Straße auf. Auch seine Oma lebt dort mit ihnen gemeinsam. „Ich bin sehr geschützt und behütet aufgewachsen. Ich hatte immer irgendwie das Gefühl, ich bin sehr geliebt. Und ich fühlte mich immer sehr frei, ich konnte tun und lassen, was ich wollte. Ich war aber kein Kind, das besonders viel gemalt hat oder so.“ Auch wenn er ziemlich antiautoritär aufwächst und viele Freiheiten hat, achtet seine Mutter darauf, dass er nach der Schule „etwas Vernünftiges“ lernt. Er beginnt 1968 eine Ausbildung als Verkäufer im Kadewe: „Das war eine einzige Katastrophe“, lacht er heute, „das hab ich nur zwei Jahre gemacht, und dann waren wir alle froh, dass die Sache beendet war.“ Inzwischen ist die Hippie-Zeit in vollem Gange und er ist mittendrin. 

Ich muss das Leben malen.

Die folgenden Jahre sind geprägt durch exzessives Leben mit Drogenkonsum und allem, was dazu gehört. Zum Glück merkt er schnell, dass dieses Leben ihn kaputt machen wird – und zieht die Bremse. Doch seine Passion für das Malen beginnt während dieser Zeit. Er kann den Moment sogar genau benennen. 1972 schlendert er mit einem guten Freund durch die Stadt, sie philosophieren, spinnen rum: „Ob sie es glauben oder nicht, ich spürte plötzlich, als ob ein Blitz in mich einschlägt, und ich spürte, ich muss malen. Ich muss das Leben malen. Das war der Start.“

Doch wieder ist es seine Mutter, die ihn zunächst erneut auf einen Ausbildungsplatz hinweist. 1973 beginnt er abermals eine Lehre, als Porzellanmaler bei der Königlichen Porzellan-Manufaktur. Dieses Mal zieht er die Sache durch. Danach hängt er ein Studium an der HdK dran und beendet dort 1982 als Meisterschüler. Inzwischen ist klar, die Malerei ist keine Spinnerei, zudem hat Peter Schmidt Talent. Bereits 1981 hat er das Atelier in der Niedstraße 14 bezogen. Für ihn Fügung oder Schicksal, dass er fortan in einem Haus arbeitet, in dem schon der Maler Karl Schmidt-Rottluff und der Schriftsteller Uwe Johnson ihre Werke vervollständigt haben. „Dat sind Fügungen, die passieren im Leben, ob man will oder nicht, früher oder später, dat fügt sich dann so zusammen.“ Und auch noch in einem solchen Kiez: „Wenn man durch Friedenau läuft, spürt man förmlich diese Kreativität in der Luft, man atmet Kreativität.“ Die Nachbarn scheinen sein Schaffen seit 35 Jahren ebenfalls gut zu ertragen. 

Aber halt, eine Sache ist zunächst noch zu klären: Wann und warum wurde aus Peter Schmidt eigentlich Peter Schlangenbader? 
In den 80er Jahren nahm er häufiger an der Freien Berliner Kunstausstellung in den Hallen am Funkturm teil und beim Durchblättern des Katalogs fiel schnell auf, dass mindestens sieben oder acht Künstler Schmidt hießen: „Ich brauche einen Künstlernamen“ war das logische Fazit. Hin und her, her und hin, am Ende wurde es Schlangenbader, nach der Straße, in deren Nähe er aufgewachsen war. 
„Das passt zu meinen Bildern“, findet der Maler. Seit 1987 trägt er diesen Namen, auch offiziell im Ausweis. Dass er durch seine einjährige Ehe in den 90ern von Peter Schmidt zu Peter Raue wurde, weil seine damalige Frau nicht Schmidt heißen wollte, fällt da doch kaum noch ins Gewicht.


Zurück zur Kunst: Seine ist sehr speziell und das kommt nicht von ungefähr. Heute, nach über 40 Jahren als bildender Künstler, produziert er sie manchmal gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin. Sie malt die Hintergründe, er das Motiv. „Wir hören dann Punkmusik und lassen uns inspirieren.“ Peter Schlangenbader dreht die Musik auf und demonstriert eindrucksvoll, wie er über die auf dem Boden liegende Leinwand „fegt“: „Danach sind wir so ausgepowert, das ist ja wie auf dem Schlachtfeld, ein Kampf – es bricht aus uns raus, und dann ist gut, dann ist man völlig erledigt.“

Ich bin nicht nur Punk, ich bin auch Preuße.

Und er ist nicht nur als Maler von der Kunst besessen, sondern auch als Musiker. Mit seiner langjährigen Band „Eisenstein“, in der er Schlagzeug spielt und singt, hat er 1994 sogar eine CD eingespielt. Heute heißt die Band „Brut Interstellar“ – dieser Name markiert gleichzeitig eine der beiden Hauptthematiken seiner Kunst. „Die Menschheit wandert aus zu den Sternen“ ist seine Interpretation des Titels und diese steht direkt neben dem für ihn sehr irdischen Thema „Aktionale – Das Nackte Sein“, bei dem 50 Künstler ihre Werke ausstellen.


Alles an Peter Schlangenbader scheint irgendwie laut – doch er kann auch anders. Er schreibt Gedichte, über die Liebe und das Leben und schlägt dabei Töne an, die so gar nicht zu dem Rock- und Punkmusiker passen wollen. Bei seinen Ausstellungen trägt er das ein oder andere auch schon mal vor.
Und noch ein Paradoxon gibt es in seinem Leben: Auf den ersten Blick wirkt alles wild und chaotisch. Doch Peter Schlangenbader ist auch wahnsinnig strukturiert – seine unzähligen Zeichnungen hat er akribisch nach Entstehungsjahr geordnet, seine Buchführung zu Hause ist bestens sortiert. „Ich bin ganz straff organisiert, sonst läuft alles aus dem Ruder“, gesteht er ein und dann: „Ich bin nicht nur Punk, ich bin auch Preuße.“
Als solcher und solcher ist er gar nicht müde: „Ich will den Leuten noch mindestens 30 Jahre auf den Sack gehen“, freut er sich zum Ende des Gesprächs, denn „ich mache von morgens bis abends nur Kunst. 
Das Schlimmste in der Kunst ist Routine“, bemerkt er dann noch.
Routine bei Peter Schlangenbader – man kann es sich nicht vorstellen.

Ab April im Buchhandel:
„SCHLANGENBADER – Das Nackte Sein“
Ein Einblick in sein Gesamtwerk mit mehr als 200 Arbeiten.
edition Friedenauer Brücke, 49€

Fotos: Tanja Fügener 
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Stadtteilzeitung 132  Juni 2016
von Sigrid Wiegand 

Schlangenbader – Das nackte Sein 
Dada und Performance sind noch nicht ausgestorben in Friedenau, folgt man den Aussagen des Malers Schlangenbader über seine Arbeitsmethode, wenn er Serien gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin produziert und sich von Punkmusik inspirieren lässt. Es sei wie auf einem Schlachtfeld, breche aus ihnen raus, man sei völlig erledigt. Performance.
 Mit 20 Jahren beginnt er seine Ausbildung, zuerst als Porzellanmaler bei der KPM, und beendet sie 1982 als Meisterschüler bei der HdK. Ende der Siebziger galt Schlangenbader als Punkmaler, wurde in der Nachfolge der „Neu- en Wilden“ gesehen und hat dar- aus seinen eigenen Stil entwickelt, als gemalten Rock'n Roll hat er ihn einmal bezeichnet. Der Kunsthistoriker Volkhard Böhm nennt ihn einen Künstler, der sich zwischen expressivem Realismus und dem zeichenhaften Informel bewege. 
„Die Leinwand ist mein Universums-Brot, meine geistige und philosophische Herausforderung und Heimat. Jedes Bild will nach seinen eigenen Gesetzen erkämpft und erarbeitet werden. Meine Gedanken treibe ich durch Zeichnungen bis zur Inspiration. Ich übermale meine Bilder Tage – Wochen – Monatelang. Manchmal sogar Jahrelang. Dieser Prozess der durchschimmernden Farbschichten läßt sie reifen. Das Endergebnis soll die Sinne gradlinig wie ein Faustschlag treffen“. (Schlangenbader) 
Und er malt nicht nur, er ist auch Grafiker und Zeichner, macht Collagen und baut bizarre Objekte. Er schreibt Gedichte – schonungslos, über den Zustand der Welt, den Zustand des Lebens, ohne Netz und doppelten Boden. Und trotzdem Liebe und Glücklichsein. 
Und er ist auch ein Rock'n Roller, spielt das Schlagzeug und singt in seiner Band, die einmal „Eisenstein“ hieß und heute „Brut Interstellar“: „Die Menschheit wandert aus zu den Sternen“. 
Hermann Ebling und Evelyn Weissberg von der edition Friedenauer Brücke haben gemeinsam mit dem sehr geschätzten Künstler einen Katalog mit mehr als 200 seiner Arbeiten herausgegeben, der einen erstmaligen Einblick in sein Gesamtwerk bietet. 
Am 18. Juni 2016 wird er ab 16 Uhr in der Musikbrauerei in der Greifswalder Straße 23A in Prenzlauerberg vorgestellt. Es wird eine Buchpräsentation, eine Ausstellung und: eine Performance - eine viel versprechende Gelegenheit, den genialen Künstler und sein faszinierendes Werk kennenzulernen! 
Schlangenbader: Das Nackte Sein 
edition Friedenauer Brücke,
Hardcover, Format 24x28 cm, 208 S. mit über 200 Abb. in Farbe, Euro 49.-
im Buchhandel erhältlich ___________________________________________________________________









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Unkonventionell und immer wieder formal überraschend präsentiert sich
das Werk Schlangenbaders. Es bewegt sich zwischen einem expressiven Realismus bis zum zeichenhaften Informel. 
In seiner Malerei steht er in der Nachfolge der „Neuen Wilden”.
Seine Malerei entwickelt sich ganz aus der Farbe. Die heftigen Bilder werden
in ihrer Arbeitsweise von großen expressiven Gesten bestimmt und leben in ihrer Eindringlichkeit von dem Spannungsverhältnis von Farbe und Form.
In der Graphik, den Holz- und Linolschnitten sind seine Köpfe, Figuren 
und Figurationen dynamisch und wuchtig bis witzig-grotesk, gefüllt mit herumschwirrenden, in sich verschränkten, verspannten und verschachtelten Flächen und Linien, mit eingewobenen Symbolen, hart im Kontrast zwischen gedrucktem Motiv und dem Weiß des Papiers. Und dann kann dieses Motiv,
der Kopf in seiner Dynamik, diese Druckfläche auch schon einmal sprengen.


Schlangenbader fühlt sich an keinen Stil gebunden. Seine Figuren und Köpfe
sind vom Kubismus, der Pop-Art, dem Comic oder der Street-Art inspiriert und bewegen sich in der Tradition zwischen Picasso und Keith Haring. 
In seinen Gestaltzeichen bleibt er betont spontanphantastisch bis skurril-naiv. Dann werden sie zu Zeichen und Metaphern für den modernen Menschen, versteckt und verrätselt. Er thematisiert unter anderem Erotik, Sexualität, Gewalt, Religion, Glaube, Tod, radikal, unkonventionell, wild, indem er Symbole dafür ohne Tabu verwendet und gegeneinanderstellt. In ihrer Vereinzelung und einem scheinbaren Durcheinander sind Schlangenbaders Bildgestaltungen sicher auch inspiriert durch den Dadaismus (mit seinen Gestaltungsmitteln des Zufalls oder der collagehaften Bildstruktur).
In der Anonymität seiner Figuren und dieser geheimnisvollen wilden Welt der
Zeichen hebt er seine Bildaussagen auf eine höhere Stufe der Verallgemeinerung. In der Entindividualisierung sind die Figurationen zwar anonym, bleiben aber niemals im Vagen, sondern benennen Gefühle, Stimmungen und Haltungen.

Volkhard Böhm, im November 2015


Das ist alles so hingesetzt, wie es die Generation der Lüpertz, Baselitz,
Höckelmann in einer Art von Vor-Punk vorgemacht hat: roh, ungeschminkt,
ohne Konzessionen an jenen „guten Geschmack”, der bürgerliche Kunst 
auszeichnet (oder auszeichen sollte).
Das hat aber, im Gegensatz zu den genannten malerischen Ahnherren, 
so etwas wie versteckte Sensibilität. Daß, wenn Schlangenbader die Malwut überkommt, er sich nicht an das Rechteck der Leinwand oder des Zeichenblatts hält, erläutern zwei Stühle aus seinem Atelier, die ihm unter die Pinsel geraten sind, Zeugnisse einer Unbedingtheit und einer Verve, die vor nichts haltmacht. Vor nichts ist aber wohl doch zu viel gesagt.

Auch Punks werden älter, und es wird sich zeigen, ob die Verve dann zu neuen Ergebnissen führt.
Der Schwung, der Anlauf ist da. Eines Tages heißt es zum Sprung abheben.

Heinz Ohff, im Februar 1980
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alle Fotos:  © SIGNALBERG GmbH
oder © der jeweiligen Verfasser

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Hans Magnus Enzensberger an der Eingangspforte Fregestraße 19 um 1970.

Foto: ©Wilfried Bauer/Focus