Dunkles Friedenau

 

Kann man, darf man ein richtig schönes Lesebuch über Berlin in der Nazizeit machen?

Hermann Ebling und Evelyn Weissberg ist dieses Kunststück mit ihrer erschienenen Anthologie Berlin Friedenau 1933-45 gelungen.

Genau das richtige Buch, um an solchen trügerisch-sonnigen Herbsttagen auf einem Friedenauer Balkon, auf einer Parkbank oder im Café zu schmökern und sich zu vergegenwärtigen, wie brüchig die Vorstadtidylle einst war.

Auf die zu einem Epochenpanorama montierten Originaltexte von Friedenauern wie Ludwig Meidner, Ingeborg Drewitz oder Friedrich Luft folgt im Buch ein etwa hundertseitiger Anmerkungsteil, der - ebenfalls gut zu lesen - die Texte ergänzt und kommentiert.

Neben einem Namensverzeichnis gibt es ein Straßenverzeichnis, so dass man das Buch auch als literarischen Reiseführer ins dunkle Friedenau der Nazizeit benutzen kann.

Eine vorbildliche Edition, inhaltlich genauso wie in puncto Buchgestaltung:

Dass man dieses handliche, liebevoll gemachte Buch sehr gern anfasst und darin blättert, tut dem Anliegen,

die Friedenauer über die Geschichte ihres Stadtteils aufzuklären, jedenfalls keinen Abbruch.

 

Michael Bienert, www.text-der-stadt.de. text-der-stadt.blogspot.com, 28. September 2011


Liebe Evelyn,

ich habe mehr als 2 geschlagene Stunden bewegungslos auf der Couch gesessen und gelesen, gelesen, gelesen...

Es ist toll, wunderschön, interessant, lebendig, wichtig - und, und, und...

Ihr habt wieder genau die richtige Idee gehabt! Danke!

 

Deine Sigrid Wiegand, September 2011


 

Sehr geehrte Frau Weissberg,

 

ich wollte mich seit Ewigkeiten bei Ihnen melden und tue dies nun, weil ich noch immer überwältigt bin von Ihrem neuesten Buch BERLIN Friedenau 1933–1945 Ein Lesebuch.

Leider war ich zur Präsentation im Zauberberg dienstlich in den USA, hatte mir aber den Erscheinungstag vermerkt und spazierte sofort nach meiner Rückkehr in den Buchladen, um 2 Exemplare zu erwerben (eines geht immer an die „ausgewanderte Friedenauer Verwandtschaft“ nach Niedersachsen!)

Ich konnte es nicht aus der Hand legen und hatte es an einem Wochenende durch!

Großes Lob an Sie und Ihren Mann! (…) 

 

 

Dr. Andrea Mehrländer, Geschäftsführende Direktorin der Checkpoint Charlie Stiftung, 18. Oktober 2011


Keine halbe Portion

 

Und da denkt man, man hätte schon alles gelesen, was es zu dem Thema gibt …

Im Westen nichts Neues? Von wegen. Wenn ich heute aus dem Fenster sehe, dann – aber fangen wir mal von vorne an.

 

Als Kind schon liebte ich neue Bücher.

Ihr Duft verhieß unbekannte Welten und Stunden

der Versenkung. Ein Buch zu berühren, anzusehen, die Seiten zu befühlen, die Farbe von Papier und Druck, die Bindung und die Vorsatzblätter zu betrachten, zu

registrieren, wie groß es ist, wie schwer – das ist wie ein erstes Freundschaftschließen und bis heute wichtig für mich. Evelyn Weissberg und Hermann Ebling als Herausgeberpaar legen ebensolchen Wert auf die gepflegte Erscheinung ihrer Bücher und erweisen dem Inhalt dadurch ihren Respekt. Und auch uns, die wir unsere Zeit der

Lektüre widmen wollen.

 

Der neue Band fällt durch sein Format aus dem Rahmen. Klein und kompakt kommt er daher und weist nur auf dem Umschlag eine Illustration auf. Wir sehen in düsterem Schwarz-Weiß eine Ansicht des Rathauses und sind so schon eingestimmt auf den Inhalt: Die Jahre des Nationalsozialismus. Ich wollte gerade schreiben: Die dunklen

Jahre – aber so billig kommen wir nicht davon.

 

In drei Abschnitte teilt sich das Lesebuch: Die Normalität des Schreckens; Krieg und Untergang;

Die Stunde Null . Es folgt ein umfangreicher Anmerkungsteil. Wer alles hier gelebt hat, erstaunlich… Zeitzeugen kommen zu Wort, wie meine Kollegin Sigrid Wiegand; da sind Zeitungsartikel zwischen Lebenserinnerungen und Romanpassagen, Briefausschnitte und Feldpostkarten – nichts konnte der Sammelleidenschaft von Ebling und Weissberg entgehen. In den Anmerkungen wird deutlich, wieviel mehr noch in den Schubladen schlummert, manchmal schäumt das verlegerische Wissen über und lässt die Leserschaft kaum noch zurückkehren zum vorderen Teil oder wirft gar noch weitere Fragen auf, die aus Platzgründen nicht mehr erörtert werden können…

Erst wollte ich nur auf Stippvisite gehen, hier ein wenig lesen, und dort. Hat nicht geklappt. Ich musste zurück an den Anfang, es sog mich förmlich auf, dieses Buch, und obwohl ich mich quälte und entsetzte, konnte ich es nicht weglegen, besonders im ersten Teil. Wie unweigerlich alles hinglitt in den Schrecken – Beschreibungen der

„Kristallnacht“, und gleich darauf die Ergebnisse des Balkonschmuck-Wettbewerbs in der Zeitung…

 

Nichts könnte das Grauen fassbarer machen als dieser Gegensatz. Und nachdem ich

vom Leben in den Trümmern gelesen hatte, sah ich auch die Nachrichten aus Kriegsgebieten mit anderen Augen.

 

Müßig, alle illustren Autorinnen und Autoren zu nennen, die in diesem Buch versammelt sind: Ludwig Meidner, Ingeborg Drewitz, Friedrich Luft, Inge Keller, Kurt Hiller...

 

Nicht ihre Namen haben mich gebannt, sondern die Orte, an die sie mich führen.

Ich sehe die Straßen und Häuser und weiß jetzt etwas darüber, was dem noch heute wichtigen „NIE WIEDER“ neues Gewicht verleiht. Ich weiß nun, welche Menschen dort mit dem Tod gerungen haben und wie sie dort überlebten, wo heute hunderte von fröhlichen Kindern zur Schule gehen. Und mein Blick aus dem Fenster erinnert mich daran, dass es so eine nette Kneipenwirtin wie die aus meiner Nachbarschaft war, die gleich da drüben von SA-Leuten überfallen und ermordet wurde, damals, an einem Winterabend 1933.

Es ist alles so nah. Mir fehlen die Worte, es für Sie noch näher zu holen. Sie sollten es selbst lesen.

 

Sanna von Zedlitz, Stadtteilzeitung, Oktober 2011  www.stadtteilzeitungschoeneberg.de


Erinnern mit kleinen Texten

Friedenauer Verlag veröffentlicht Buch über die Nazizeit im Kiez Friedenau.

 

Wer im Stadtteil Friedenau lebt, weiß meist einiges über die geistigen und kulturellen Größen, die hier lebten und leben. Dass die Geschichte des Stadtteils auch ihre Schattenseiten hat, wird oft vergessen.

Die „edition Friedenauer Brücke“ will die Lücke mit einem Buch über die Zeit des Nationalsozialismus schließen.

 

Evelyn Weissberg und Hermann Ebling leben gern in ihrem Stadtteil. Von ihrer Altbauwohnung in der Rembrandtstraße aus haben sie einen Blick beinahe über ganz Friedenau. Seit Jahren sammeln die beiden historische Fotografien von Berlin und insbesondere von Friedenau. „Aus einer Leidenschaft heraus“, wie sie sagen. „Mit der Sammlung wächst auch das Interesse.“

 

Das Ehepaar, das 2005 den Verlag „edition Friedenauer Brücke“ gründete, hat jetzt sein neues Buch „Berlin Friedenau. 1933-1945“ aufgelegt. Das Lesebuch, in dem 40 Autoren und Zeitzeugen über ihren Kiez während der Nazizeit berichten, soll aufzeigen, dass, so Ebling, „Friedenau durchaus auch eine Nazihochburg war.“

Viele der gutbürgerlichen Bewohner, die hier vor allem seit Beginn des 20. Jahrhunderts für einen wahren Bauboom sorgten, hätten in den 1920er und 30er-Jahren „auf die starke Hand gewartet.“ Ebling: „Der Blockwart genoss hier weit größeres Ansehen als beispielsweise auf der Roten Insel.“

 

Diesen Zeitgeist haben die Herausgeber in ihrem Lesebuch ohne erhobenen Zeigefinger dargestellt. „Ich habe den Geschichtsunterricht früher gehasst“, sagt Evelyn Weissberg. Zahlen und Daten auswendig zu lernen, das sei ihr zuwider gewesen. „Mit unseren Büchern wollen wir die fesselnden Geschichten in der Geschichte aufzeigen.“

In drei Zeitabschnitte unterteilt kommen im neuen Buch 40 Autoren zu Wort.

Darunter sind auch ehemalige Bewohner, deren Texte schon zur Zeit der Naziherrschaft entstanden sind. Abgedruckt sind auch Texte von älteren Menschen, die erst in der letzten Zeit ihre Erinnerungen zu Papier gebracht haben. „Teilweise habe ich aber auch auf der Straße die Leute einfach angesprochen“, sagt Weissberg. Und sie gebeten, ihre Eindrücke und Erlebnisse aufzuschreiben.

„Wir haben die Erzählungen im Hauptteil bewusst ohne zusätzliche Bemerkungen zusammengestellt“, sagt Hermann Ebling. Dabei kämen Widerständler, Nazis und deren Opfer gleichermaßen zu Wort. „Natürlich handelt es sich jeweils um subjektive, sich teilweise sogar widersprechende Eindrücke“. Aber eben dadurch würde auch die Komplexität der Zeit deutlich.

Im Anhang liefern die Herausgeber Informationen zu Autoren und Texten.
Bisher komme das Konzept gut an. Weissberg: „Offensichtlich haben viele auf so etwas gewartet.

Unsere Lesungen waren bisher rappelvoll.“

 

Ralf Liptau, Berliner Woche, 30. November 2011

 


Liebe Frau Weissberg,

 

Eben habe ich Ihr Buch „BERLIN Friedenau 1933–1945

Ein Lesebuch” mit der Post bekommen, also ich bin ja vollkommen platt.

Ich danke Ihnen vielmals, und ich muß Ihnen sagen, durch Sie bin ich erst richtig wieder ein Friedenauer geworden. Denn ich bin ja mittlerweile ein „Westendler”, aber jetzt bin ich wieder zu Hause.

Denn gerade Friedenau, das war meine große Sehnsucht über die ganzen Jahren des Exils, es ist unglaublich. Vielen vielen Dank dafür!

Ihr Hellmut Stern, Berliner Philharmoniker, 2. November 2011


 

 Eisenbahnüberführung

(Friedenauer Brücke) 1914 

von Ernst Ludwig Kirchner

im Logo

  

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Evelyn Weissberg

 

Stand: Oktober 2019