Foto:  Uwe Steinert

 

Ganz und gar auf Friedenau verlegt

 

Evelyn Weissberg und Hermann Ebling haben ein Buch über Berühmtheiten ihres Stadtteils herausgebracht –

es ist bereits das dritte

 

Von Christoph Stollowsky

 

Ihr Balkon hat keinen romantischen Ausblick auf Parkwiesen oder reich verzierte, gründerzeitliche Nachbarhäuser. Tief unten brausen Autos über die Stadtautobahn, und auf der Friedenauer Brücke, die hier die A 103 überquert,  rollt gleichfalls immerzu Verkehr. Doch wenn Hermann Ebling und Evelyn Weissberg auf diesem Ausguck ihrer Wohnung an der Rembrandtstraße ihre Friedenauer Geschichten erzählen, ist von alledem schon nach ein paar Sätzen keine Rede mehr. Bei ihrer Rückschau vergessen sie sogar den kalten Novemberwind, der an der Brüstung entlangstreicht. 

„Wenn ich auf unsere Brücke schaue“, sagt Hermann Ebling, „sehe ich Ernst Ludwig Kirchner, wie er das Viadukt malte. Oder Rosa Luxemburg, wie sie hundertfach darüberhumpelte, um an der Saarstraße die Familie des Sozialisten Karl Kautsky zu besuchen.“ 

Seit 30 Jahren leben die beiden in Friedenau. Fast ebenso lange sammeln sie Postkarten, Schriftstücke und vieles andere über die Lebensgeschichten der Bewohner und die Vergangenheit ihres Stadtviertels. Eine spannende Leidenschaft, denn Friedenau war mit seinen typischen Vorgärten nicht nur über Jahrzehnte ein bürgerliches „Dorado der Tonzwerge“, wie es Spötter bezeichneten, sondern auch Refugium vieler Künstler, Schriftsteller und Politiker, kurz, der Bohème.

Doch irgendwann wollte das Paar seine historischen Fundstücke nicht nur zusammentragen und davon erzählen, sondern für alle Berliner dokumentieren. 

1986 veröffentlichten sie im Eigenverlag „edition Friedenauer Brücke“ ihr erstes Buch. Titel: „Aus dem Leben einer Landgemeinde.“ 2006 erschien ein Band über den Künstlerfriedhof Friedenau – und gestern stellten sie ihr neuestes Werk vor: „Friedenau erzählt – Geschichten aus einem Berliner Vorort 1871 bis 1914.“ 

 

Der Friedenauer Brücke sind sie dabei treu geblieben. Ernst Ludwig Kirchners gleichnamiges Gemälde schmückt den Titel. 1914 hat er es aus einer ähnlichen Perspektive gemalt, wie man die Brücke heute vom Balkon des Verlegerpaares aus sieht. Allerdings führte sie damals nur über die Berlin-Potsdamer Eisenbahnstrecke, über die heute noch die S-Bahn rattert. Gut zehn Jahre vorher gehörte dieser Überweg zum Alltag von Rosa Luxemburg. Sie wohnte von 1902 bis 1911 mit ihrer abgöttisch geliebten Katze Mimi jenseits der Wannseebahn in der Cranachstraße und genoss nach ihrem Gang über die Gleise das bunte Leben in der Familie des sozialdemokratischen Theoretikers Kautsky. „Mit unseren Jungs trieb sie die tollste Allotria“, erinnerte sich Luise Kautsky. „Stundenlang konnte sie mit glühenden Wangen mit ihnen beisammen hocken.“ Rosa - ganz privat. „Zumeist wird sie nur als politische Frau geschildert. Wir wollen die Menschen, von denen wir erzählen, mit allen Facetten zeigen“, sagt Evelyn Weissberg.

Dazu gehören auch die Pioniere, die vor den südwestlichen Toren Berlins aufs flache Land die ersten Friedenauer Villen bauten und ihre neue Heimat so beschrieben: „Jejend, nischt wie Jegend.“ Später musste ihre Kolonie größtenteils höheren Mietshäusern weichen, die Einwohnerzahl wuchs, interessante Persönlichkeiten und Originale waren darunter – und werden in dem reich illustrierten Buch wieder lebendig: Aron Bernstein, der schon im späten 19. Jahrhundert die jüdische Gemeinde modernisieren wollte, die Maler des Künstlerbundes „Brücke“, Schriftsteller Georg Hermann, Landrat Prinz von Handjery, Erich-Kästner-Illustrator Walter Trier, Lokalpoet Eduard Jürgensen, genannt Onkel Ete, Wachtmeister Meier oder Radrennmeister Thaddäus Robl, der im legendären, längst verschwundenen Friedenauer Sportpark am heutigen S-Bahnhof Bundesplatz Weltrekorde fuhr.

„Wir sind die Wege all dieser Menschen abgegangen, so lange, bis die Steine zu uns gesprochen haben“, erzählt Hermann Ebling. Sie haben Archive durchforstet und weltweit recherchiert. Walter Trier beispielsweise wanderte nach seiner Flucht vor den Nazis später nach Kanada aus. In der „Art Gallery of Ontario“ trieb Evelyn Weissberg Zeichnungen von ihm auf. Im Buch sind diese zu sehen. 

Wie schafft man das alles in der Freizeit neben Beruf und drei Kindern? Sie arbeitet als Grafikerin, er als Tonmeister bei Spielfilm-Produktionen. Beide sagen: „Mit Begeisterung.“ Und so haben sie alles selbst gestemmt. Recherche, Gestaltung, Text, Werbung, Vertrieb. Viel verdienen lässt sich mit einem derart aufwändigen Berlin-Buch nicht. 

„Das ist ein selbst verordneter Ein-Euro-Job“, lacht Hermann Ebling. Aber im Kopf hat er schon das nächste Projekt. Einen Nachfolgeband über die 20er und 30er Jahre.

 

„Friedenau erzählt – Geschichten aus einem Berliner Vorort 1871 bis 1914“, 

Edition Friedenauer Brücke, 352 Seiten, 39 Euro, ISBN: 978-3-9811242-1-7.

 

Aus: Der Tagesspiegel, Stadtleben, Seite 11 (19. November 2007)

 


Liebe Frau Weissberg! 

Heute komme ich endlich dazu, mich nochmals sehr herzlich für das Buch "Friedenau erzählt" zu bedanken.

Ich habe in den zurückliegenden Wochen bereits viel und gerne darin gelesen, und freue mich immer wieder über die umfangreiche und ausgesprochen gelungene Zusammenstellung von Texten und  Zeitdokumenten. Besondere Freude ist es uns natürlich, dass unsere eigene Familie an verschiedenen Stellen, vor allem durch Frida Brückers Erinnerungen, zu so ausführlichen Ehren gekommen ist. 

Es ist schön zu sehen, dass unsere lange Verbundenheit mit Friedenau auf diese Weise zum Ausdruck gebracht wird.

Ich wünsche Ihnen von Herzen auch für Ihre kommenden Projekte diese Kreativität und Inspiration, die man in den bisherigen Büchern wiederfindet - und natürlich ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest sowie ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Neues Jahr.

Herzliche Grüße - auch von meinem Sohn -

 

Ihre Renate Brücker, 12. Dezember 2007


 

 

 

 

 

Das alte Friedenau erwacht!

 

Friedenau hat viele Gesichter, und alle spiegeln sich im Adressbuch von 1914 wider unter der Rubrik „Vereinsleben“. 

Da finden sich Vereine für Feuerwehrleute, Tierschützer, Beamte, Sanitäter, Gartenfreunde, Gastwirte und Schreibwarenhändler, Schneider- und Bäckermeister, Ärzte, Lehrer und Oberlehrer, Handwerker und Hauswarte. Und das war längst nicht alles: 

der Sport, die Künste, das Vergnügen, die Raucher, alles wollte sich vereinen und seine Interessen pflegen, ganz zu schweigen von politischen Richtungen aller Couleur – es gab sogar einen „Reichsverband gegen die Sozialdemokratie, Ortsgruppe Friedenau“! Und wo können wir das alles nachlesen?

Die edition Friedenauer Brücke legt ihr neues Buch „Friedenau erzählt“ vor, Geschichten aus einem Berliner Vorort 1871-1914, dokumentiert von Hermann Ebling. Den Einband ziert eine Reproduktion des Gemäldes „Eisenbahnüberführung (Friedenauer Brücke)“ von Ernst Ludwig Kirchner, dem Mitglied der Künstlervereinigung „Die Brücke“ (noch ein Verein!), das er 1914 von seinem Atelier in der Körnerstraße 45 aus gemalt hat. Auch die edition Friedenauer Brücke trägt diese Brücke im Namen und in ihrem Logo, allerdings seitenverkehrt, denn von ihrem Sitz aus sieht sie sie von der anderen Seite!

Ein neues Buch über Friedenau also. Ist nicht schon alles gesagt? Wissen wir nicht schon alles über unseren Stadtteil, über Johann Anton Wilhelm von Carstenn und seine ersten Ideen vom Wohnen im Grünen, die Gründung der Baugesellschaft zum Errichten von „Wohnhäusern und dazu passenden Gärten vermittelst einer Summe, welche die jetzt zu zahlende Miete nicht übersteigt“ für all jene, „deren Einkommen nicht so rasch und in gleichem Maße als die Wohnungsmiete steigt“, wie es im Mai 1871 in einem Aufruf in der Vossischen Zeitung heißt? 

Da war zuerst „nischt wie Jejend“, die ersten Kolonisten konnten sich den Platz für ihre Häuser nach Lust und Laune aussuchen; und bald war’s doch vorbei mit der Villenherrlichkeit: die Großstadt begann gierig nach dem Idyll zu greifen. 

Aber wie hat das ausgesehen, was steckte hinter den Entwicklungen, Veränderungen, was erzählen die Menschen, die es miterlebt haben, wie haben es die zeitgenössischen Chronisten berichtet? Das Buch heißt ja „Friedenau erzählt“, und genau das macht seinen Charme und seine Stärke aus: Zeitungsartikel erzählen in lokalen Plaudereien humorvoll vom Leben und besonderen Vorkommnissen in Friedenau, die ersten Bewohner und die Künstler berichten über ihre Lebensumstände, Schriftsteller siedeln ihre Romane hier an, und aus diesen „O-Tönen“ ist ein Kosmos entstanden, in dem uns das Friedenau der frühen Jahre höchst lebendig entgegentritt. Wir erfahren sowohl etwas über die Probleme der Gründerväter als über die Sorgen einer Hausfrau bei der Suche nach einem Dienstmädchen, über Rosa Luxemburgs Friedenauer Jahre wie über einen Friedenauer Weihnachtsmann. Kleinere Anekdoten wechseln sich mit ausführlicheren Darstellungen etwa über eine (Weihnachts)-wanderung durch Friedenauer Straßen oder eine alteingesessene Familie ab  und vermitteln uns die Atmosphäre des damaligen Lebens. Das alte Friedenau erwacht wieder zum Leben!

Es ist ein schönes Buch entstanden: 350 Seiten auf Kunstdruckpapier, mit vielen lebendigen Fotos und dem von Evelyn Weissberg gestalteten Einband mit Ernst Ludwig Kirchners Bild der Friedenauer Brücke, das uns mitten ins Geschehen führt. Ein Personenregister erlaubt einen schnellen Zugriff auf einzelne Themen, ein Straßenverzeichnis alt/neu frischt das Gedächtnis auf, ein Literatur- und Quellenverzeichnis verweist auf weitergehende Literatur, alles sorgfältig lektoriert von Dr. Anne Meckel. 

Nicht nur Friedenauer/innen werden es mögen!

 

Sigrid Wiegand, Stadtteilzeitung, Dezember 2007/Januar 2008

 


Friedenau erzählt …                                        

 

heißt ein Buch mit Geschichten aus einem Berliner Vorort 1871 bis 1914. 

Das Buch ist erschienen in der edition Friedenauer Brücke, hat 352 Seiten 

und 250 Abbildungen. Der Autor Hermann Ebling führt durch einen Berliner 

Stadtteil, der einstmals jottwede lag – also janz weit draußen. 

Heute ist Friedenau mittendrin – in der Stadt, in der Kultur und im Leben...

 

rbb-inforadio am 1.12.2007    

Anmoderation von Axel Bars zum Interview mit Hermann Ebling

 

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Friedenau erzählt. Geschichten aus einem Berliner Vorort 1871 bis 1914, 

Hermann Ebling, edition Friedenauer Brücke, 352 Seiten, 39,00 Euro 

 

Fürst Bismarck in Friedenau, der Kaiser in Friedenau, ein Zeppelin über Friedenau. 

Das ist ein schönes Heimatkundebuch! 

Seit 1897 gibt es mitten in Friedenau die Kreuzungsbezeichnung Kaisereiche an der Rhein-, Saar, und Schmiljanstraße, aber nie amtlich. 

Überraschend viele Fotos, von großbürgerlichen Häusern, Aufmärschen des Männerturnvereins, Colonialwarenläden und eleganten Bahnhöfen. 

Das Personenregister führt von Willibald Alexis über Döblin, Friedrich Engels, Kautsky, Alfred Kerr, Rosa Luxemburg bis zu Trotzki. In Friedenau? Der auch? Ja, echt, bei Kautsky auf der Couch. Schwerpunkt des Buchs sind gut ausgewählte und knapp kommentierte Texte von Friedenauern wie Theodor Heuss, Christian Morgenstern, Georg Hermann oder vom Gründer und Entwickler Carstenn.

 

newsletter Berlin Story + Rundschreiben 26, Januar 2000

 


 

 

 

 

Orts Termin - Was Friedenau erzählt

 

Friedenau. Es mag purer Zufall oder glückliche Fügung gewesen sein – wie Evelyn Weissberg es eigentlich lieber nennt: Die Wohnung in der Handjerystraße lag unterm Dach, war winzig und ließ sich obendrein nur mit dem Ofen heizen. Und dann noch die Fragen der Freunde, im  Tonfall irgendwo zwischen verständnislos und abfällig: „Was wollt Ihr denn ausgerechnet in Friedenau? Wie obermiefig!“ 

Das liegt nun 32 Jahre zurück. Die Aussicht auf Studienplätze und die fehlende Wehrpflicht hatte das Studentenpaar Evelyn Weissberg und Hermann Ebling von Kaiserslautern nach West-Berlin gelockt – nur eben nicht nach Kreuzberg oder Neukölln, wo das Gros des Jungvolks sich niederzulassen pflegte. Friedenau war’s und blieb’s. Was sich nun wirklich als Glücksfall bezeichnen lässt: für alle Friedenauer nämlich, denen die Geschichte ihres Stadtteils am Herzen liegt. Genau genommen sogar für jeden historisch interessierten Zeitgenossen. 

Denn quasi mit Einzug in die Handjerystraße begannen die beiden Neuberliner alles an alten Fotos, Postkarten und  Texten zu horten, was ihnen in die Finger geriet – mit dem Ziel, das gesammelte Material eines Tages für die Nachwelt zu dokumentieren. „Friedenau erzählt – Geschichten aus einem Berliner Vorort 1871 bis 1914“ heißt die inzwischen dritte, bislang aufwendigste Veröffentlichung der edition Friedenauer Brücke, dem kleinen, eigens gegründeten Verlag von Evelyn Weissberg und Hermann Ebling.

Jetzt aber mal ehrlich: Warum denn nun ausgerechnet Friedenau? 

Hätte es die beiden in die Paradestraße verschlagen – gäb’s heute womöglich die edition Tempelhofer Feld? „Kann schon sein“, stimmt Hermann Ebling zu. „Das Interesse für Geschichte liegt uns ja im Blut und hätte sicher auch ein anderes Ziel gefunden. Aber Friedenau ist schon ein sehr dankbares Objekt!“

Daran besteht spätestens nach der Lektüre von „Friedenau erzählt“ kein Zweifel. Das fängt schon mit der Entstehungsgeschichte des heutigen Ortsteils an. „Im Prinzip ging’s hier zu wie im Wilden Westen“ sagt Hermann Ebling. „Von überall her kamen die Siedler, um eine Kolonie zu errichten.“ 

Freilich waren diese Siedler nicht dem Lockruf des Goldes gefolgt, vielmehr dem Werben eines gewissen David Born – Grundstücksspekulant, Autor volkswirtschaftlicher Schriften und Mitbegründer des „Landerwerb- und Bauverein auf Aktien“. Per Zeitungsartikel hatte sich Born im Jahr 1871 an „Beamte, Pensionäre, Lehrer, Künstler und Literaten“ gewandt – und an all jene „deren Einkommen nicht so rasch und in gleichem Maße als die Wohnungsmiete steigt“. Sie sollten „gemeinschaftlich Wohnhäuser und die dazu passenden Gärten“ erwerben.

Was einst „nischt wie Jejend“ war, mauserte sich alsbald zur Landgemeinde Friedenau, später zum – noch heute so bürgerlich wirkenden – Villenviertel und nicht zuletzt zum Refugium für Künstler, Politiker, Schriftsteller und andere Prominente. All das erzählt die Chronik der edition Friedenauer Brücke – anhand von alten Zeitungsartikeln aus dem Archiv des Schöneberg Museums, ergänzt durch Dokumente, Fotos, Briefe, Aufzeichnungen.    

Wobei am Band vor allem eines besticht: das Kaleidoskop jener Menschen, aus deren Leben „Friedenau erzählt“. Geht es auf der einen Seite um so bekannte Persönlichkeiten wie Rosa Luxemburg oder Brücke-Maler Ernst Ludwig Kirchner, dessen berühmtes Bild „Eisenbahnüberführung“ auch den Umschlag des Buches ziert, sind es ein paar Blätter weiter die Stars der Vergangenheit – deren Namen heute niemand mehr kennt. Wie Radrennfahrer Thaddäus Robl, der im ebenfalls längst vergangenen Friedenauer Sportpark seine Zeitgenossen zu Begeisterungsstürmen hinriss. 

Wunderbar aber auch die Geschichten der so genannten kleinen Leute: die Lebenserinnerungen der Frida Brücker etwa, niedergeschrieben für ihre Söhne und Enkelkinder. Detailliert blickt die Tochter aus gutem Hause zurück auf Kindheit und Krankheiten, Geburten und Todesfälle, auf ihre Tage an der Mädchenschule, Tanzstunden, Verehrer und die eigene – aus heutiger Sicht recht trostlose – Hochzeit. Und schildert anschaulich das Friedenau ihrer Kindheit: „Hinter der  Villa befand sich der Garten ... mit Laube und Fontaine, Tannen, Obstbäumen und Blumenbeeten ... Friedenau war damals noch ein kleiner Ort. Die Rheinstraße hatte rechts und links kleine Villen mit Gärten. 

Auf der linken Seite stand ab und zu einmal ein einstöckiges Häuschen ... Eine Pferdebahn oder etwas ähnliches gab es damals noch nicht.“

Wie gelangt man denn an solche Kostbarkeiten? Nun, einiges ergatterten Evelyn Weissberg und Hermann Ebling auf Flohmärkten. Ein andermal gelangten sie durch private oder berufliche Kontakte an alte Unterlagen. 

Bisweilen waren aufwendige Recherche oder nachbarschaftliche Aufrufe vonnöten. 

So kostete das Zusammentragen der Dokumentation allein eine Menge Zeit – womit die Arbeit am Buch jedoch keinesfalls erledigt war. Gestaltung, Texte, Vertrieb und Werbung liegen einzig in den Händen des Zwei-Personen-Unternehmens edition Friedenauer Brücke.

„Wir sind ja keine Historiker – für uns ist das einfach nur eine große Leidenschaft“, sagt Evelyn Weissberg, die hauptberuflich als Grafikerin arbeitet, während Hermann Ebling als Tonmeister bei Spielfilmproduktionen in aller Welt mitwirkt – weshalb der eine oder andere Text für „Friedenau erzählt“ auch schon mal in England oder am Strand von Thailand geschrieben wurde. Im Computer-Zeitalter zum Glück kein Problem. 

Die beste Nachricht wie üblich zum Schluss: Der nächste Teil der Chronik über die 20er und 30er Jahre in Friedenau ist bereits in Arbeit.

Berit Müller

 

„Friedenau erzählt – Geschichten aus einem Berliner Vorort 1871 bis 1914“, 

edition Friedenauer Brücke 

352 Seiten, 39 Euro, ISBN: 978-3-9811242-1-7

 

Berliner Abendblatt vom 6. 2. 2008


Liebe Evelyn Weissberg, lieber Hermann Ebling,

 

ich möchte mich von ganzem Herzen für Ihr liebevoll recherchiertes 

"Friedenau erzählt" bedanken !!!

Ich bin gebürtige Friedenauerin und habe mich in meinen 42 Lebensjahren nie aus Friedenau wegbewegt...  warum auch ? Hier ist es einfach am schönsten !

Ich bin in der Hedwigstraße aufgewachsen, meine Eltern hatten in meiner Kindheit ein Seifen- und Parfümeriegeschäft im Souterrain in der Albestraße, sind dann aber mit ihrem Geschäft umgezogen in das Haus Nied- Ecke Handjerystraße. 

Dort sind heute "Cremer und Cremer". 

Sie hatten damals den Laden von "Plattners" übernommen und sich vergrößert: 

Zu den Drogerieartikeln kamen nun Zeitungen, Schreibwaren, Spielzeug und Süßigkeiten. 

Es kursierte sogar der Spruch "Dalg an der Ecke handelt mit jedem Drecke".

Mein Vater war eine Art "Friedenauer Original": Er kannte alle und alle kannten ihn. Seine Kindheit hat Willi Dalg in der Wilhelm Hauff-Straße verbracht. 

In seinem weißen Kaufmannskittel gehörte er quasi zum Kiezbild.... 

Nach seinem Tod führte meine Mutter den Laden noch einige Jahre alleine weiter bis sie in Rente ging. Sie wohnt immer noch in der Hedwigstr.

Ich wohne in dem Haus unseres damaligen Ladens,in der ehemaligen Kohlenhandlung meiner Großtante Irmgard Schönherr. Hier habe ich als Kind schon 

"zwischen den Kohlen gespielt".

....Sie sehen also, wie verwachsen ich mit Friedenau bin. 

Ich habe Ihr Buch mit wahrhaft riesigem Genuß gelesen. 

Ich gehe jetzt mit einem anderen Blick durch die Straßen !!! 

... und dafür möchte ich mich bei Ihnen auf´s Herzlichste bedanken.

 

Mit freundlichem Gruß, Dorothee Dalg, März 2008


 

 

 

Geschichten aus Friedenau

 

Mit ihren historischen Lesungen hat sich die edition Friedenauer Brücke zu einer literarischen Erbenverwalterin des einstigen Berliner Vorortes gemacht. Heute liest die Schauspiel-Studentin Alessa Kordeck aus „Friedenau erzählt“ – Geschichten über Gründerväter, Hausfrauen, Rosa Luxemburg und einen Weihnachtsmann.

 

Berliner Morgenpost  20. Juni 2008, Lesung im Literaturhotel Berlin, Fregestraße 68

 

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Friedenau erzählt.

Geschichten aus einem Berliner Vorort.

1871 bis 1914

 

Die Friedenauer Brücke, so wie sie Ernst Ludwig Kirchner malte, ziert das Cover des Buches und bestimmt die Perspektive des aufwendigen Erinnerungsbandes. Hartnäckig die heutige Autobahnbrücke mißachtend, richtet sich der Blick auf die nach dem Deutsch-Französischen Krieg gegründete selbstständige Landgemeinde. Die mit braungetönten Postkarten und Erinnerungsfotos, Briefmarken, Firmensignets und Reklameschildern geschmückte Lokalgeschichte, etwa um die Bronzegießerei Noack, die Spaziergänge von Rosa Luxemburg oder Gershom Scholems Friedenauer Verwandtschaft, dürfte Liebhaber des auch als Künstlerkiez gerühmten Stadtteils begeistern. 

 

www.berlin-hidden-places.de

 

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Einst „nischt wie Jejend“   

 

Einst Landgemeinde, später Refugium für Künstler, Politiker, Schriftsteller und gut für jede Menge Geschichten der sogenannten kleinen Leute – „Friedenau erzählt – Geschichten aus einem Berliner Vorort von 1871 bis 1914“ heißt der interessante Chronikband (352 S., 39 EUR), den 

Evelyn Weissberg und Hermann Ebling in ihrer „edition Friedenauer Brücke“ veröffentlichten. 

Seit 32 Jahren leben die beiden in diesem Ortsteil. Sie recherchierten im Archiv des Schöneberg-Museums, stöberten auf Flohmärkten, befragten Nachbarn und sammelten über Jahre historische Fundstücke. Die Chronik ist in den Friedenauer Buchhandlungen und bei Hugendubel Steglitz erhältlich und kann per E-Mail oder Telefon auch direkt bestellt werden

(+4,50 EUR für Verpackung und Porto) 

Der nächste Teil der Chronik über die 20er und 30er Jahre ist übrigens bereits in Arbeit. 

Und gerade erschienen: Der Friedenauer Kalender mit 12 künstlerischen Ansichten, u.a. 

von Ernst-Ludwig Kirchner und Gisela Serafin. 

 

Senioren Journal 2008/09 aperçu Verlag © Oktober 2008


 Eisenbahnüberführung

(Friedenauer Brücke) 1914 

von Ernst Ludwig Kirchner

im Logo

  

© Gestaltung der Bücher, 

der Verlags-CI und der Homepage:

Evelyn Weissberg

 

Stand: Juli 2019